70km, 2200HM & Minusgrade! Das ist der Taunus Ultra-Trail!

Das Jahr 2017 ist noch blutjung und schon steht eines, meiner ersten Highlights, in diesem Jahr auf dem Programm. Bei der Recherche Ende 2016 nach einem Ultra-Trail im Januar bin ich auf den unscheinbaren Taunus Trail gestoßen. Die Herausforderung von Kälte und Tiefschnee sowie der Streckenlänge und Höhenmeter hat mich in den Ban gezogen. Die Anmeldung war mit einer E-Mail an Bert den Veranstalter sehr schnell erledigt. Der Teilname am 21. Januar 2017 stand nichts mehr im Weg.

 

Nun war es endlich soweit, der Vortag der Veranstaltung, war mein Anreisetag in die Taunus-Region und somit in den Ort Kelkheim. Ziel meiner Navi-Route war das Waldhotel Kelkheim, das Übernachtungsplatz und auch wieder Ziel des Laufs war.

Vorbereitung auf einen Winter-Ultra

Training ja klar und immer ;-) Aber einen Ultra im Winter? Das war etwas neues für mich und ich muss gestehen, dass ich die Zeit bis zum Lauf immer mehr Respekt vor der Herausforderung entwickelte. Daher absolvierte ich zahlreiche Einheiten in Thüringen. Dank dem glücklichen Umstand, dass ich dort des öfteren im Januar beruflich im Einsatz bin, konnte ich von richtigem Schnee und der Kälte im Training profitieren. Schnell zeigte sich im Training, dass der Energieaufwand im Schnee doch erheblich höher ist und hohe Anforderungen an die Kleidung gestellt wird. Höhepunkt meiner Vorbereitung war ein 20km Lauf am Montag vor dem Wettkampf-Samstag. Kleidung/Ausrüstung haben perfekt funktioniert und die 2 Stunden warm gehalten.

 

Wichtig ist nur zu wissen, dass die Kleidung im Winter auch verschwitzt wird! Länger stehen bleiben im Winter ist nicht! Man würde sehr schnell auskühlen und das kann gefährlich werden. Wechselkleidung für den Notfall sollte somit im Gepäck dabei sein.

Ein paar Fakten zum Lauf

Der Taunus Ultra ist ein Punkt zu Punkt Lauf. Ziel ist wie oben erwähnt wieder das Waldhotel Kelkheim. Früh werden alle Teilnehmer mit einem Reisebus, zum 70km entfernten Startpunkt gefahren. Wer nun auf diese Distanz antritt, steigt hier aus. Die Teilnehmer für die 55km Distanz werden im Anschluss wieder 15km Richtung Ziel zum Startpunkt der kürzeren Distanz gefahren. Gleichzeitig gilt der 55km Startpunkt auch als 1. Verpflegungsstelle für die 70km-Läufer.

 

Für die Teilnehmer der 70km Distanz gibt es somit 3 VPs und für die 55km Distanz 2 VPs. Alle Verpflegungsstellen bieten warmen-heißen Tee und warmes ISO. Das ist auch sehr wichtig, da sogar bis zum eintreffen der 1. VP die Ventile der Flaschen oder Schläuche der Trinksysteme vereist waren. Hinzu kommt, dass die Flüssigkeit eher an Slush-Eis erinnert und extrem kalt im Magen landet. Sicher waren die anderen Teilnehmer auch heil froh, wie ich, warmen Tee und ISO zu erhalten und die Flaschen damit auffüllen zu können. Weiter ist die VPs mit den wichtigsten Sachen bestückt. Obst, Süsses in Form von Snicker/Mars, Kekse etc., salzige Erdnüsse, Kuchen und so manches Goody. Ah ja tiefgekühlte Cola gab es auch für den schnell Energieschub. Ich empfehle aber auch hier, die VP nach dem eisigen Cola-Genuss mit einen warmen Becher Tee zum nachspühhlen zu verlassen.

 

Das die Strecke gut profiliert ist, war mir bekannt. Aber der letzte Berg oha der hatte es in sich. Aber dazu später noch ein paar Sätze mehr. Alles in allem zeigt mein Garmin eTrex knapp 2200 Höhenmeter.

Ausrüstung

Die Ausrüstung entscheidet bei diesem Lauf wesentlich über ein erfolgreiches Finish und in gewisser weise auch über die Sicherheit! Neben Stirnlampe und Ersatzakkus ist ein erprobtes Navigationsgerät in Form einer Pulsuhr wie z.B. die Suunto Ambit2 oder ähnliche unverzichtbar. Ohne Navi kein Ziel, da es keinerlei Beschilderung gibt. Zusätzlich zur Uhr habe ich aus Sicherheitsgründen noch mein Garmin eTrex 30 dabei gehabt. Hier kann man einstellen, dass die Distanz zum Ziel angezeigt wird. Eine kurze Anleitung wie das geht findet ihr >>hier<<

 

Warme Wechselkleidung für den Oberkörper sollte auch  nicht fehlen sowie Handschuhe, Mütze und Schutz für das Gesicht. Da im Notfall schnelle Hilfe erforderlich ist, muss ein Handy mitgeführt werden und für ausreichende Energie (Ersatzakku oder Powerebank ist zu sorgen).

 

Wer einmal ausgekühlt ist braucht Hilfe, sonst kann es lebensgefährlich werden in der weisen Wüste! Den eine zu starke Unterkühlung wird erst bemerkt, wenn es zu spät ist.

 

Tip: Ich empfehle in jedem Fall Stöcke zu verwenden.
Ohne diese wäre ich vielleicht nicht im Ziel angekommen! Besonders bei den Passagen bergauf im tiefen Schnee waren die Stöcke mehr als hilfreich.

 

Die Wechselkleidung empfehle ich in Gefrierbeutel einzuwickeln. So bleiben diese sicher vor Feuchtigkeit geschützt.

Mein Equipment

  • Trail-Rucksack Salomon 12L
  • Rettungsdecke
  • Erste-Hilfe-Set
  • Packung Taschentücher
  • Yaktrax für die Trial-Schuhe (Bericht hier zu finden)
  • 2 Soft-Flask mit je 400ml UltraSport ISO
  • 6 x UltraSport Gel Cola
  • 1 x UltraSport Riegel
  • Petzl Nao Lampe + Ersatz-Akku
  • Suuntu Ambit2
  • Garmin eTrex 30
  • Trail-Stöcke
  • Kopfhörer für Music oder Hörbuch
  • Powerbank für mindestens 1 zusätzliche Ladung!
  • etwas Chiasamen, Amarand-Samen
  • Salz (grob) Himalaya-Salz
  • Mütze
  • Buff für Hals und über den Mund bei Bedarf
  • langes Laufshirt (1. Lage)
  • langes dickes Salomon Oberteil (2. Schicht)
  • Handschuhe dünn + dicke
  • warme Laufhose (Thermo von Thoni Mara)
  • Trail-Socken
  • Salomon Gamaschen gegen Schnee
  • Salomon SpeedCross 3 Trail-Schuhe
  • Zweites langes Laufshirt (1.Schicht) im Rucksack
  • Jacke von Decathlon komprimiert im Rucksack

Briefing am Abend

Dreh und Angelpunkt am Vorabend ist der große Aufenthaltsraum der von uns Läufern komplett eingenommen war. Das Teilnehmerfeld ist bei diesem familiären Lauf mit ca. 33 Teilnehmern die am Abend anwesend waren doch überschaubar. Einige sollten noch am Wettkampf-Morgen dazu stoßen. Froh war ich ein bekanntes Gesicht zu sehen. Robert hatte ein paar Tage zuvor geschrieben, dass man sich beim Lauf sieht. Im Hintergrund lief eine nonstop Diashow bei der man sich erste Vorstellungen durch das eine oder andere Bild machen konnte. Jeder Teilnehmer erhält ein Namensschild bei der persönlichen Begrüßung. So fällt es den Teilnehmern untereinander auch gleich leichter die Tischnachbarn beim Namen zu nennen. Im übrigen werden diese Schilder auch beim Lauf getragen. So kann man schnell und sicher an einem der VPs identifiziert und in der Check-Liste eingetragen werden.

 

Bert erläutert genau, was auf uns zu kommen wird. Der genaue Ablauf am Morgen sowie die Streckenführung und wichtige Punkte an denen man sich verlaufen könnte. Entsprechende Hinweise sind auch auf der Rückseite vom Namensschild zu finden. Die Kilometerangaben sind dabei immer in KM zum Ziel angegeben. Daher ist es wichtig, sein Navi so zu konfigurieren, dass immer die Distanz zum Ziel ersichtlich ist. Auch im Notfall kann so exakt mitgeteilt werden, wie weit man vom Ziel entfernt ist um besser gefunden und lokalisiert werden zu können. Denn die Angabe meine Uhr zeigt 35 gelaufene Kilometer an, wird nichts bei diesem Orientierungslauf bringen. Schließlich könnte man ja 35km in die falsche Richtung oder im Kreis gelaufen sein. Bert gibt sich wirklich mühe auf alle wichtigen Punkte für den Lauf einzugehen.

 

Nachdem wir nun wissen, worauf wir uns eingelassen haben, konnten wir zur Hänkersmahlzeit (Pizza) übergehen. Bestellt wurde über einen örtlichen Pizzadienst. Bei der Menge an Pizzas hatte die Produktion in der Küche etwas gedauert ;-)

Das Hotel "Waldhotel Kelkheim"

Besser hätte die Unterkunft nicht sein können. Bereits im Vorfeld war die Reservierung spielend einfach und zuverlässig. Ich empfehle die Buchung direkt auf der Webseite des Hotels. Der Kontakt ist sehr nett und professionell. Ebenso positiv war ich bei der Ankunft überrascht. Sauberes und gut gepflegte Hotelzimmer die allen erforderlichen Komfort für uns Läufer bieten. Es gibt im Keller sogar eine Sauna. Großer Pluspunkt. Es gibt kostenloses WLAN im gesamten Hotel. So war es nicht einmal ein Problem noch schnell einen Film für den späteren Abend herunterzuladen um diesen offline sehen zu können. Zudem ausreichend Parkplätze direkt am Hotel oder auf der Straße vor dem Hotel.

 

Abendessen wurde extern bei einem Pizza-Lieferant bestellt. Aber das Frühstück vom Hotel hatte es mehr als in sich. Hier hat in jedem Fall jeder gefunden, was er am liebsten mag. Obstsalat, Müsli, Eier, hausgemachte Marmelade und ein großes Angebot an verschiedenen Tees bilden ein üppiges Buffet. Luxus vor dem Lauf garantiert ;-)

 

Da ich nach dem Lauf direkt wieder nach Hause fahre und keine weitere Nacht bleibe, hatte ich trotzdem die Möglichkeit nach dem Lauf wie auch die anderen Läufer eines der 3 im Keller vom Hotel zur Verfügung gestellte Zimmer mit Dusche zu nutzen. So frisch gemacht konnte man sich dann in geselliger Runde noch mit einem tollen Essen stärken. Fazit zum Hotel. Immer wieder gerne.

Der Start

Mein Lauftag begann sehr früh. Um ca. 0:00 Uhr bin ich schlafen gegangen und um 3 Uhr wachte ich auf. Aber nicht vor Aufregung oder gar weil ich ausgeschlafen hatte, sondern weil irgendwie mein rechter Unterarm massiv schmerzte. Im Halbschlaf versuchte ich den Unterarm zu drehen. Keine Chance die Schmerzen verhinderten jegliche Bewegung. Mir war nicht klar, warum der Arm überhaupt weh tut und zudem so massiv. Nachdem ich die Schlafposition so geändert hatte, dass mein Arm so lag, dass er möglichst nicht im Unterarm-Bereich verdreht ist bin ich wieder eingeschlafen.

 

Gegen 5:00 Uhr bin ich wieder aufgewacht, da der Arm wieder irgendwie unter dem Kopfkissen gelandet ist. Höllische Schmerzen strahlten wieder durch den Arm bis in das Ellenbogengelenk. Ich beschloss nun bereits um 5:00 Uhr anstatt um 6:00 Uhr aus dem Bett zu kriechen. Erst dann wurde mir bewusst, dass ich mit dem Arm irgendwie aktuell nicht mehr viel anfangen kann. Weder war er vor Schmerz eine Hilfe die Socken anzuziehen noch Kontaktlinsen etc. Schon blöd, wenn als Rechtshänder der rechte Arm betroffen ist. Schlagartig wurde mir bewusst, dass es wohl nix mit Stockeinsatz werden wird. Ich überlegte hin und her und versuchte den Unterarm und somit die Handfläche zu drehen. Geht nicht. Der Schmerz blockiert alles. Nun gut Laufen werde ich können. Das stand außer Frage und da hätte mehr kommen müssen, als mich aufzuhalten. Aber die Stöcke habe ich schweren Herzens und genau wissend aus dem Gepäck entfernt. Blieb nur zu hoffen, dass ich diese nicht benötige. Waren sie doch ein Teil meiner erprobten Ausrüstung und sollten sie mir Sicherheit bei Einbrüchen, Krämpfen und im Schnee bieten.

 

Um 6:30 Uhr versammelten sich wieder alle Aufenthaltsraum. Das Frühstücksbuffet war im Aufenthaltsraum gerichtet und mit noch mehr Auswahl im eigentlichen Frühstücksraum. Letzte Worte von Bert vor dem Start und das allgemeine hin und her gepacke kurz vor dem Start. Immer noch hatte ich Armprobleme und nahezu jeder hatte seine Stöcke dabei. Das lies mir die ganze Zeit keine Ruhe. Kurzerhand holte ich meine wieder aus dem Auto und packte sie wieder in den Rucksack. Lieber habe ich diese dabei und kann sie nicht nutzen. Aber vielleicht gibt sich das ganze durch die Bewegung im Lauf oder ich kann mir zumindest mit einem Stock helfen.

 

Wieder voll ausgerüstet machte sich die Botschaft schnell in der Runde breit, dass der Bus eingetroffen ist. Wir Läufer machten uns auf den Weg vor das Hotel. Bissige Kälte empfing uns draußen. Man sagt ja immer, wenn man raus geht und man leicht fröstelt, ist man richtig angezogen für Sport. Von leicht frösteln war ich da aber noch weit weg. Eisig kalt ist es heute. Ruck zuck sind alle im Bus verstaut und die Tour zum Startpunkt der 70km Läufer geht los. Während der Fahrt gibt es noch ergänzende Infos von Bert.

Nach einer geschätzten Stunde kamen wir am Start an. Irgendwo im Nirgendwo ;-) Ausgesetzt in der Wildnis und der weisen Wüste bei ca. -8°C. Noch schnell ein Gruppenfoto und Navi aktivieren. Mein Garmin zeigt 70km bis zum Ziel an. Die Suunto Uhr den Track als Linie. Nun heißt es in Bewegung bleiben. Stehen bleiben birgt Gefahr durch Auskühlung und somit scheitern bis hin zu gefährlichen Situationen.

Direkt nach dem Start geht es erst einmal hochwärts um auf wohlfühl Temperatur zu kommen. Immer den Blick an den Abzweigungen auf die Uhr am Handgelenk gerichtet. Nach einem kleinen Downhill der die zuletzt erklommenen Höhenmeter wieder abgebaut hat türmt sich ein steiler langer Hügel vor mir auf. Der Track auf der Uhr sieht so aus, dass der Track im Bogen um den Berg verläuft. Blindlings habe ich meinen Kurs geändert und bin auf allen Vieren den Berg hoch gekrappelt. Er war einfach zu steil um anderst da hoch zu kommen. Schnell fühlte ich mich in die steilsten Anstiege, vom im März, bevorstehenden Braveheart-Battle versetzt. Mein Ziel war es ja, die kleine Kurve um den Berg einzusparen ;-) Aber ich wurde gleich zu Beginn der Tour abgestraft. Oben angekommen musste ich feststellen, dass der Track wirklich um den Berg verlaufen ist und gar nicht vorgesehen war in irgend einer Weise den Berg mitzunehmen. Also völlig umsonst erklommen! Energie vergäutet und den Puls weit weit in die Höhe gejagt. Das passiert mir kein zweites Mal! Ab sofort exakt auf dem vorgegebenen Trail der Uhr bewegen! Auf der anderen Seite musste ich mich nun wieder völlig abseits von Wegen über Bäume hinab auf die eigentliche Trackspur kämpfen. Endlich tauchten vor mir wieder einige Läufer auf. Ich schätzte meine Position wieder auf Platz 17 ein und gab etwas Gas. Nach einigen Kilometern konnte ich dann ein paar Läufer hinter mir lassen und meine Position wanderte von 16 über 15 auf 14 bis hin zu 13. Platz. Ab und an rutschte ich wieder ein paar Plätze zurück konnte dann aber wieder überholen. Das war für mich ein kleines Ablenkungsspiel, dass aber mit zunehmenden Kilometern in den Beinen immer weniger Bedeutung hatte. Irgendwann war es völlig egal und der Kampf ums ankommen konnte beginnen.

 

Vorteil im Winter ist die Tatsache, dass deutlich weniger Flüssigkeit benötigt wird. Gestartet bin ich mit 2 x 400ml in den Flaschen. Amüsiert musste ich schon bei KM 10 feststellen, dass die Flüssigkeit ohnehin schon eisig kalt ist und aus den Flaschen kein Tropfen mehr kommen würde. Läufer mit Trinkblase hatten sicher noch mehr Probleme mit den Schläuchen und konnten sich an VP1 nur so helfen, dass sie heißen Tee über die Schläuche schütteten. So oder so würden die eisigen Temperaturen aber binnen kürzester Zeit die Flüssigkeit in der Leitung wieder vereisen.

VP1

Nach 15km kam VP1 die durch Jessica bewirtet wurde. Mein Körper sehnte sich bereits seit einigen Kilometern nach Energie und etwas warmen zu trinken. Im großen und ganzen war ich bisher sehr zufrieden mit dem vorankommen und dem körperlichen Befinden. VP1 war an einem Waldrand gelegen und dem eisigen Wind ausgesetzt. Im Klartext nicht zu lange aufhalten. Schnell merkt man wie die Kälte sich in der Kleidung breit machen möchte. Der ungünstige Wind beschleunigte den Vorgang.

Klein aber fein. Es war alles was notwendig ist aufgetischt. Heißer Tee und heißes ISO. Süsses und Salziges. Schokolade und Obst. Für den schnellen Zuckerschub eisige Cola ;-) 2 Becher heißer Tee um von innen heraus wieder warm zu werden. 1 Becher Cola für den Zuckerschub und ein UltraSports Gel. Danach noch eine Hand voll salziger Erdnüsse. Abschließend habe ich meine beiden Flaschen von den eisigen Inhalten befreit und mit heißem Tee aufgefüllt. Meine Bedenken, dass die Soft Flask die heiße Flüssigkeit nicht überleben waren unbegründet. Ging einwandfrei. Frisch gestärkt konnte ich meine weitere Reise antreten. Das nächste Etappenziel VP2 ist gut 20km entfernt.

Wellig bis zu VP2

Der weitere Streckenabschnitt präsentiert sich sehr wellig. Ein permanentes auf und ab mit langen geraden oder steigenden Passagen. Die herrliche Natur bietet Abwechslung und somit Ablenkung. Trotzdem hätte ich jetzt gerne mein Hörbuch gehört für noch mehr Ablenkung. Aber ich war im Laufen und hatte absolut keine Lust anzuhalten und meinen Rucksack abnehmen zu müssen. VP2 heißt es zu erreichen. Dort wäre die Möglichkeit an die Kopfhörer zu kommen. Positiv überrascht hat mich, dass inzwischen mein rechter Arm so weit wieder belastbar ist, dass ich mir die Stöcke bei VP1 in die Hand habe drücken lassen. Es funktioniert sehr gut solange ich den Unterarm nicht verdrehen muss. Aber die Bewegungen mit Stock sind immer die gleichen und verursachen somit keine Schmerzen. Inzwischen bin ich sehr froh, die Stöcke dabei zu haben. Sie erweisen sich mehr als hilfreich besonders im Tiefschnee oder an Steigungen. Wer auf der Suche nach Schnee ist, wird bei diesem Lauf mehr als fündig. Der Läufer vor mir hält an einem Ruinen-Bogen und macht ein Selfie. Ich biete an, ein Foto von ihm zum machen. Soviel Zeit muss ja sein. Auch ich nehme das Angebot an für ein Foto. Wir setzen unseren Abenteuer-Lauf fort.

Je nach Temperaturempfinden bzw. eingefrorenem Gesicht steuerte ich die Temperatur mit dem Buff. Man kommt sich vor wie am Nordpol ;-) Leider hat die Anti-Beschlagfunktion der Brille völlig versagt. Der Temperaturunterschied zwischen der ausgeatmeten Luft und der Umgebungs-Luft war einfach zu groß. Die ausgeatmete Luft kondensierte zwangsläufig am Glas. Somit war die Brille nur ein unnützer Gegenstand am Kopf.

Das Streckenprofil war durchgängig sehr wellig und nach jedem Aufstieg gab es als Belohnung wie es üblich ist einen längeren Abwärtslauf zur Regeneration. Jedoch muss man sagen, dass bei einem Schneelauf, nicht viel mit Regeneration ist.

Seit ein paar Kilometer quält mich der Durst. Trinken ist nicht, da beide Flaschen schon länger gefroren sind. Auch ein bisschen Abwechslung durch Musik oder mein Hörbuch wäre jetzt angenehm. Ich sehnte mich nach VP2. Immer wieder prüfe ich die Distanz zur VP2 auf meinem eTrex Navi. Sie muss doch bald kommen hämmerte es immer in Gedanken.

 

Und endlich wurden wir Läufer belohnt. Ein Parkplatz auf dem reger Besucherverkehr herrschte kam ins Blickfeld. Mein Blick wanderte über den Platz und da war Sie VP2 unter einem Pavilion-Zelt. Betreut wurde diese durch Bert höchst persönlich. Ein Läufer befand sich aktuell noch an der VP und  machte sich aber schon auf den Weg. Mehrere Becher Tee sorgten für Flüssigkeitsausgleich und einem Hauch von innere Wärme, wenn man noch davon sprechen kann. Zusätzlich gab es einiges an Energie in Form von Obst, Schokolade, Erdnüssen und Salz. Noch einen Becher Cola zusammen mit meinem Cocos-Fett. Ein UltraSports-Gel und ordentlich nachspülen und schon ging die Reise weiter. Bert sagte noch zur Verabschiedung: "Man sieht sich heute Abend im Ziel". Mit müdem lächeln wurde spätestens jetzt wieder klar, dass es weiter geht und erst die Hälfte der Strecke geschafft ist. Leider hatte ich von VP2 kein Bild erstellt.

Vorletzter Streckenabschnitt zu VP3

Mehr Glück mit dem Wetter konnten wir nicht haben! Strahlender Sonnenschein und beste Sicht mit Weitblick auf Grund der eisigen Temperaturen. Kurz nach dem Parkplatz VP2 legte es mich sehr unsanft erst einmal auf einer völlig vereisten Fläche hin! Dummerweise fing ich mich aus Reflex genau mit der etwas angeschlagenen Hand ab! Was mal wieder die Schmerzskala in die Höhe trieb. Aber wie heißt es so schön, der Schmerz vergeht, Ruhm und Ehre bleiben. Vorausgesetzt man lässt noch die restliche Strecke hinter sich.

 

Unterwegs trifft man auf immer mehr interessierte und neugierige Wanderer mit so einigen Fragen. Häufigste Frage natürlich "macht ihr ein Rennen?". Sogar Fragen wie "ist das die Richtung wo die XYZ Gaststätte kommt" ;-) Meine Antwort "äh keine Ahnung. Ich persönlich komme zwar aus der Richtung und habe die letzten 38km schon ein paar Hütten gesehen aber mehr kenne ich mich nicht hier aus. Ich muss nur immer diesem Pfeil auf meiner Uhr für die nächsten 34km folgen". Das Erstaunen der Leute war entsprechend groß ;-) Irgendwie muss man ja seine Stimmung aufbessern und sich motivieren lassen...

Die Sonne wandert langsam dem Horizont entgegen. Auf Grund der Distanz zum Ziel ist schon lange klar, dass es in jedem Fall dunkel sein wird, wenn ich das Ziel erreiche. Besser hätte mein Timing aber nicht sein können. Als die Abendröte einsetzte befand ich mich auf einem Berg kurz vor VP3. So konnte ich einen herrlichen einsetzenden Sonnenuntergang beobachten. 

Vom Berg ging es gefühlt ewig bergab bis zu VP3. Hier wartete schon Jessica auf uns Läufer. Nichts ist besser als warmer Tee auf dieser Strecke.

Es zog sich bis ins Ziel

Wieder frisch gestärkt trat ich den letzten Streckenabschnitt an. Die Sonne tauchte inzwischen unter den Horizont und es würde nicht mehr lange dauern, bis meine Stirnlampe ihren Einsatz hat. Positiv überrascht bin ich noch von meiner Suunto Uhr. Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass mit laufender Navigation die Batterie schneller abnehmen würde. Aber noch nicht einmal 50% waren verbraucht. Backup ist ja nach wie vor mein eTrex, der mehr als einen Tag halten würde.

Nach jeder VP hatte ich einen ordentlichen Leistungsschub, der mehrere Kilometer anhielt. Zu diesem Schub gesellte sich ab VP3 noch die Aussicht auf das verdiente Ziel, was einen kleinen Zusatzschub über die Motivationsschiene gab.

 

Inzwischen sieht man den Boden nicht mehr richtig und die Nacht mit zunehmender Kälte machte sich breit. Kurzer Stop, um die Stirnlampe aufzusetzen. Mit maximaler Beleuchtung ging es Seelen alleine weiter. Mein Hörbuch wurde von meinem Geist aufgesaugt und der Körper funktionierte einfach nur noch. Immer weiter und weiter dem Track auf der Uhr entlang.

 

Distanz zum Ziel nur noch 9 km. In mir flammte schon die Hoffnung auf, dass nach diesem Berg der Zielort sein muss. Ein langer Aufstieg lag vor mir. Oben angekommen wurde man  mit einer tollen Aussicht über eine kleine Stadt/Dorf belohnt. Wie in den Alpen ging es im Zick-Zack bergab. Tolles Ende für so einen Lauf dachte ich mir - ein Abstieg fast wie in den Bergen. Die Freude in mir auf das baldige Ende des Laufs stieg von Wende zu Wende. Distanz zum Ziel 6km. Immer noch dachte ich mir. Gefühlte 6km lagen hinter mir. Verwundert dachte ich okey! irgendwo in dieser Stadt, vermutlich auf der anderen Seite muss das Hotel und somit das Ziel liegen.

 

Es sollte aber ganz anderster kommen! Ein wirklich großer steiler Berg lag rechts an dieser Stadt/Dorf. Wie hätte es anderst sein können?! Natürlich führte die Navigation direkt darauf zu und damit nicht genug! Es ging extrem steil hinauf. Der Anstieg wollte kein Ende nehmen und erinnerte mich irgendwann an den Aufstieg zur Alpspitz bei der Zugspitze.

 

Endlich oben angekommen machte der Akku der Stirnlampe schlapp. Klar mit maximaler Leuchtkraft und der bisher benötigten Zeit kein Wunder. Also Ersatz-Akku raus und neue Zelle rein. Distanz zum Ziel 3km. Aber ich bin doch ewig da hoch gelaufen dachte ich mir. Jetzt viel es mir wie Schuppen von den Augen. Klar Distanz zum Ziel! Das war das erste mal, dass ich einen Lauf mit Distanz zum Ziel gelaufen bin. Diese Anzeige hat mich aufs Glatteis geführt. Denn der eTrex misst ja somit Luftlinie zum Ziel. Blöd nur, dass da der Berg dazwischen lag und viele viele Kurven und Abzweigungen.

 

Nicht mehr weit - es kann nicht mehr weit sein. Mein Kopf sehnte endlich ein Ende herbei. Die Beine hatten irgendwie auch keine große Lust mehr. Immer mehr wechselte sich Laufen und Gehen ab. Selbst bergab geht es nur noch unter Anstrengung. Man spürt wie der Körper ausgekühlt und letzten Energiereserven kämpft.

 

Licht blitzt an und ab durch die Bäume, die die Strecke noch dicht umhüllen. Das muss Kelkheim sein! Alleine aus der Hoffnung raus, kann auch ein durchgefrorener Körper noch einmal letzte Energiereserven mobilisieren. Der Track führt quer über eine Wiese und es ging über auf eine Teerstraße. Nur noch 500m bis zum Ziel. Dann 300, 150 Meter und endlich wurde das Hotel vor mir immer größer.

 

Schlagartig verlassen mich die Kräfte und ich kämpfe mich die wenigen Stufen zum Hotel hoch. Geschafft! Endlich geschafft!

Mein Rucksack, Stöcke fallen auf die Couch im Eingangsbereich. Gratulationen von ein paar Menschen im Eingangsbereich. Duschen nur noch Duschen fordert mein Verstand. Vor allem warm duschen und ESSEN. Alles reduzierte sich auf die wichtigsten Bedürfnisse. Raus aus der Laufkleidung, Wärme und Energie!

 

Der Gruppenraum war schon gut gefüllt. Als Belohnung gab es ein wirklich köstliches Buffet. Als Nachtisch Snickers und Mars-Riegel ;-) Robert war schon gut eine Stunde länger als ich im Ziel.

Fazit

Ein Lauf, den wirklich jeder Ultra-/Trailläufer einmal gemacht haben sollte. Wie ein Laufkollege von mir gesagt hat. Laufen im Winter ist anderst hart ;-)

 

Geniale Strecke mit sehr familiären Ambiente. Jessica und Bert habe sich sehr viel Mühe gegeben und zuverlässig dafür gesorgt, dass wir Läufer top verpflegt sind. Die beiden haben da echt was tolles auf die Beine gestellt.

 

Ich kann mir sehr gut vorstellen, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.

 

Alle Infos zur Veranstaltung findet ihr auf der Seite um Taunus Ultra mit folgendem Link:

http://www.taunus-ultratrail.de/Hauptlauf/

Kommentar schreiben

Kommentare: 0