Zugspitz Ultra Trail 2016 - extrem hart aber einfach perfekt!

Darf es noch etwas mehr sein oder wenn ein Ultra zum Monster wird ;-)

Die dnf Quote ist bei der 6. Auflage des Zugspitz Ultra Trails regelrecht in die Höhe geschossen. Was ist hier passiert? An allen Enden und Ecken auf Blogs und Facebook-Kommentaren, steht das Wort "Monster" im Mittelpunkt. Der ZUT ist von der 5. Auflage zur 6. Auflage mutiert. Raus gekommen ist eine knall harte optimierte Strecke über 101,6 km und stolzen 6000 Höhenmetern in einer traumhaften Landschaftkulisse.

Hatten wir letztes Jahr schon gedacht, dass war hart, gab es dieses Jahr noch ein bisschen mehr als Gratiszugabe. Neben Regen, Hagel und Kälte gab es noch mehr Anstiege zu bewältigen. Die mentale und körperliche Belastung ist gegenüber letztem Jahr deutlich gestiegen. Das zeigen auch die dnf Quoten (did not finish).

Schon Tage zuvor beobachtete jeder Läufer genau oft mehrfach täglich den Wetterbericht. Die Prognosen für Samstag und Sonntag könnten bei den verschiedenen Wetterseiten gar nicht unterschiedlicher sein ;-) Täglich ändert sich die Vorhersage von beständig, schön zu Regen, Gewitter und schlimmerem. Jedem war klar, so wie es wird, so wird es. Aber insgeheim wünschte sich jeder zumindest dieses Jahr keinen Regen und vielleicht ein bisschen Sonne aber nicht zu heiß. Wunschdenken halt.

Wir sind Freitag Mittag ca. 12:00 Uhr in Grainau angekommen und was soll man sagen kurz vor München auf der Autobahn ist die Wolkendecke aufgerissen und tatsächlich gibt es noch etwas anderes über den Wolken. Sonnenschein und schönes Wetter macht sich breit. In Grainau konnten wir die Sonne genießen und geistig habe ich mich für den Lauf schon auf dieses Wetter eingestellt.

Beim Foto-Shooting mit dem ZUT Männchen findet sich immer ein Fotograf ;-) Viele Läufer bleiben hier bei der Anreise erst einmal stehen und machen Fotos. Man ist also nie alleine hier und hat eifrige Fotografen... Die Fahrt in den Ort Grainau geht danach sofort weiter und ungeduldig parken wir das Auto direkt vor dem Kurhaus bei der Startnummernausgabe.

Routiniert wie immer läuft das Ganze ganz schnell und unkompliziert bei der Startnummernausgabe ab. Das Starterpack ist dieses Jahr wieder sehr gut bestückt und es sind viele brauchbare Sachen enthalten. Zur Abwechslung gab es dieses Jahr mal keine Sporttasche sondern einen Rucksack. Abwechslung muss sein.

 

Neben den alt Bekannten wie SkinFit gegen Wundscheuern ist viel von PowerBar enthalten sowie ein neues Startnummernband.

 

Nachdem wir unsere Startnummern hatten, ging es gleich zum check-in in die Pension die nur ca. 200m vom Start entfernt ist.

Mein wichtigstes Kleidungsstück für den Lauf

Jeder Extrem-Lauf steht und fällt mit der Ausrüstung. Eines der wichtigsten Teile der Ausrüstung ist ganz unscheinbar. Klar es sind die Socken. Sie entscheiden über Schmerz, Blasen und wie weit man kommt. Passt der Socke nicht oder bietet nicht was man braucht - bekommt man früher oder später ein größeres Problem. So manch einer ist auch schon blutig auf der Strecke geblieben weil die Reibung zu groß war.

 

Daher freute ich mich über ein kleines unscheinbares Päckchen auf meinem Bett in der Pension, dass dort schon auf meine Ankunft gewartet hat. Leider zu spät bemerkte ich, dass meine Socken aus dem Training und der vergangenen Wettkämpfe doch schon sehr verschlissen waren. Somit musste schnell Ersatz von Wright Sock her! Am Mittwoch habe ich bei Wright Sock angerufen und mein Problem geschildert, dass ich die Socken bereits bis Donnerstag benötige, da wir am Freitag schon am Startort sein werden und Samstag der Lauf ist. Für Günter von Wright Sock gar kein Problem ;-) Kurzerhand hat der meine Sockenbestellung direkt an die Pension nach Grainau adressiert.

Somit steht dem Lauf nichts mehr im Weg und ich kann mit perfekten Socken für diese Herausforderung starten. Im Paket waren 2 x Sonderedition Lauf-Profi und 2 x Sonderedition Deutschland Socken für damaligen Deutschlandlauf. Also beide Socken perfekt für extremste Bedingungen und Witterungen. Günter hat  mir die Deutschlandsocken ans Herz gelegt. Somit bin ich mit diesen gestartet und mein Laufkollege Kurt hatte auch noch welche benötigt. Ihm hatte ich die Lauf-Profi Edition in die Hand gedrückt. Bis dato kannte er diese Socken noch nicht. Nun ist er auch hell auf begeistert. An dieser Stelle schon vorweg: Keine Blasen, keine Wunden!!! Und das obwohl die Füsse 25 Stunden und 45 Minuten plus die Zeit vor dem Start und gut 1-2 Stunden nach dem Start in den Schuhen steckten. Bedenkt man noch, dass die Schuhe samt Socken und Füsse dauerhaft patsch nass waren, sich durch Matsch, Schlamm kämpfen mussten - kann es nicht besser gelaufen sein. Material von Wright Sock mehr als Top!!!

Danke Günter & dem Wright Sock Team für die schnelle und zuverlässige Sonderlieferung direkt an den Start ;-)

Schlemmen in Garmisch

Wie im letzten Jahr sind wir wieder in das La Spelonca in Garmisch (echter Geheimtip) zu einem leckeren Mittagessen eingekehrt. Tisch war bereits reserviert. Die erste Ladung Nudeln für diesen Tag war gesichert.

Nach dem Lunch haben wir auf dem Rückweg nach Grainau noch zwei Läufer auf dem Camping-Platz bei Grainau besucht. In Grainau ist ein Muss die Expo-Messe am Start/Ziel-Gelände. Hier kann jeder noch das eine oder andere Schnäppchen machen und man trifft dort jedes Jahr viele des von Jahr zu Jahr wachsenden Bekanntenkreises ;-)

Familientreffen am Abend

Eine große Familie bei der Nudelparty am Abend. Nudeln mit Tomatensoße satt. Gegen 20:00 Uhr gab es dann das Streckenbriefing und alle weiteren wichtigen Informationen zum Lauf.

Auf Grund einer Baustelle in einem Streckenabschnitt gibt es eine kleine Streckenänderung und die neue Streckenführung wurde kurz angesprochen. Dieses Jahr fällt einiges an dem flachen Stück weg und die Strecke führt über welliges Gelände um Schloss Elmau entlang.

Hat sich bis zu dem Zeitpunkt wo man es laufen muss noch sehr gut angehört ;-) Landschaftlich toll aber hart - dazu später mehr...

Das schöne Wetter hat sich zum Abend hin leider verzogen und ein erster heftiger Regenguss samt Gewitter wütet außerhalb des Festzeltes. Jeder dachte sich nur - na hoffentlich wird das morgen besser oder zumindest ohne Gewitter.

 

Um ca. 21:00 Uhr verlassen wir das Zelt und die Reihen lichten sich ohnehin. Nach einer kurzen 2km Runde zur Muskelentspannung schlafen um 22:00 Uhr angesagt. Mein Unterbewusstsein wollte aber wohl nicht so recht schlafen, so dass ich bis ca. 0 Uhr wach lag und dann wieder um 1:39 Uhr aufgewacht bin. Der Kopf sagte irgendwie ausgeschlafen die Vernunft aber "schlafen". Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich wohl wieder so um 2/3 Uhr eingeschlafen und hatte erneut um 4:00 ausgeschlafen. Diesmal bin ich nicht mehr eingeschlafen und drehte mich bis kurz vor Weckerklingen hin und her. Ich fühlte mich bereit für den Lauf.

Auf geht´s

Der Blick am Morgen um 5:00 Uhr aus dem Fenster zeigte einen zwar bewölkten Aber mit vielen blauen Stellen durchsetzten Himmel und sogar die Sonne war zu sehen. So sieht das ganz gut aus, war mein Gedanke.  Sonnenbrille ja - nein war nun die Frage. Ich entschied mich für gelbe Gläser, da ich die Brille dann nicht abnehmen müsste und auch nachts tragen könnte. Die  Ausrüstung war vom Vortag auf den heutigen Tag mehrfach geprüft, umgeräumt und optimiert worden. Es lag also alles fix und fertig bereit ;-) Ursprünglich wollte ich mit dem RaidLight Rucksack und viel Zeugs drum herum starten (Foto, GoPro, Ersatzakkus und und und). Eine drastische Reduzierung auf das Wesentliche hatte zur Folge, dass ich den Salomon S-LAB 12 Rucksack und nur die GoPro im Gepäck nahm. Die Flüssigkeit wurde in zwei Soft-Flaschen je 300ml gepackt und eine Soft-Flasche leer im Rucksack um die Pflichtvorgabe von 1,5L Flüssigkeitsbehälter zu erfüllen.

Frühstück gab es im Erdgeschoss der Pension um 5:00 Uhr und fast alle Läufer des Hauses waren schon wach... Da ich früh eher weniger Hunger besonders um diese Uhrzeit habe, genügte mir ein Brötchen mit Butter und Marmelade sowie ein Tee. Ergänzend noch 250ml Ultra Sport Starter für den Start in den Tag ;-) Nach dem Breakfast noch schnell hier und da etwas zurecht zupfen und mit SkinFit die Scheuerstellen versorgen.

 

6:20 Uhr begeben wir uns zum Check-In. Die Ausrüstungskontrolle arbeitet gewissenhaft gründlich und lässt sich so manchen Gegenstand zeigen. Und schon ist man auf der anderen Seite im Startbereich angekommen. Die Spannung steigt und schnell füllt sich der Starbereich mit hochmotivierten Läufern, denen die Vorfreude anzusehen ist. Wir schießen noch ein paar Vorher-Bilder ;-)


Punktlich um 7:00 Uhr gab es das letzte Streckenbriefing mit aktuellen Wetterdaten. Und wie sollte es auch anderster sein. Uns besteht viel Regen bevor, Kälte und eine besonders kalte Nacht und wenns doof kommt auch Gewitter... Egal - Spaß werden wir auf jeden Fall haben und geht es voll motiviert in den Lauf.

Das Feld setzt sich mit einem neutralisierten Start in Bewegung. Allen voran die Musikkapelle von Grainau. Es dauert nicht lange und der Zug setzt sich nun im Wettkampftempo Richtung "Ziel" in Bewegung. Das Problem bisher es sind noch 101km to go ;-) Immer wieder auf der Strecke trifft man diese schönen orangenen Schilder mit dem Hinweis wie viel noch zu laufen ist. Bei dem Schild 95 to go wird erstmals klar, was einem noch bevorsteht...

Der perfekte traumhafte Höllenritt bis ins Ziel

Noch immer ist das Wetter angenehm und locker flockig geht es leicht wellig Richtung Hammersbach und den ersten Naturhighlight auf der Strecke. Wichtig für mich "langsam" nicht überzocken und wichtige Körner schon am Anfang verlieren!

Der Regen und der Wetterumschung hat nicht lange auf sich warten lassen. Mit voller Wucht prasselt der Regen auf uns Läufer ein und in höheren Lagen sowie Nachts gab es immer wieder auch Hagel und sogar ganz feinen Schnee. Was mir sehr unterwegs gefallen hat, war immer mal wieder die Füße samt Schuh und Socke in einen kalten Bach oder Pfütze tauschen. Irgendwie war das kühlend und erfrischend. Im Grunde hab ich eigentlich eh jedes Schlammloch und jede Pfütze aus Spaß mitgenmmen. 

 

Schlamm und Rutschpartien gab es genüge. Die Abstiege und Aufsteige waren die reinsten Schlachtfelder. Alles in allem hat mich der Lauf an eine XXXXL Ausgabe des Braveheart Battles erinnert. Ab und an gab es ja sogar Hindernisse in Form von Bäumen die auf den Anstiegen lagen. Nach 80 und mehr KM ist es schon ein Hindernis seine Beine höher anheben zu müssen ;-)

 

Bis VP1 war alles kein Problem. Bis VP2 wird einem langsam so einiges klar und bewusst - was jetzt ab geht. Bei VP2 begegnete ich Simone eine Bekannte von meinem Laufkollegen Kurt der schon sicher einiges weiter war als ich. Für so 2km liefen wir noch zusammen. Dann ging es hochwärts und zack ohne Vorwarnung hat sich in den Oberschenkeln ein leichter Krampf breit gemacht. Also Ende und stehen bleiben. Krampf entgegen wirken und ausharren. Sofort dachte ich an den Rennsteig hier erging es mir ähnlich nur noch viel schlimmer, so dass nichts mehr ging! Ich entschied mich noch etwas zu warten und langsam zu gehen. Gehend war das nun kein Problem und mittels Stockeinsatz schiebe ich mich die Anstiege vorsichtig hoch. Das alles kostete aber Zeit. Bis ich bei VP3 ankam war ich mental sehr am Boden zerstört. Erste Hochrechnungen zeigten eine Zielzeit von schon 20 Stunden wenn ich das Tempo so halten kann!!! Die Kräfte waren irgendwie auch schon aufgebraucht und ich verglich mit dem Vorjahr. Irgendwie ging es mir da deutlich besser oder doch nur Einbildung und man vergisst den schmerzlichen Teil??!! Auf jeden Fall wollte ich nicht mehr.

 

So stand ich also an VP3 aß eine Wassermelonenscheibe nach der anderen - trank. Hin und hergerissen was ich nun tun soll. Weiter laufen und sich den bestimmt noch viel schlimmeren Qualen aussetzen oder aufhören. Die Tendenz von meinem Kopf war definitiv bei aufhören. Nie im Leben konnte ich mir vorstellen 20 Stunden oder länger bis in ein Ziel zu Laufen! Die ganze Nacht durch. Einfach verrückt! Aber irgend eine Stimme in mir sagte: "du wirst es bereuen! wie 2013 lauf weiter". Zudem waren da so viele Leute an VP3 ich wollte nicht aufgeben ;-). Also weiter geht es dachte ich mir und die Beine folgten sogar dem Befehl. Scheinbar war ich so lange an der Verpflegungsstelle, dass ich  mich echt wieder sammeln konnte, was die Kraft anging. Es lief wieder halbwegs - so das ein Hoffnungsschimmer auf kam. Die Zeit ist sowieso irrelevant. Es gilt nur ins Ziel kommen. 

 

 

Auf dem Weg zum VP3 überholte ich eine Läuferin die ich doch kurz nach VP2 schon einmal gesehen hatte. Als wir sie da überholt hatten - war sie schon mit einem angeschlagenen Blick aufgefallen. Wir sprachen ihr dort noch gut zu. Auf jeden Fall ist sie auch bis hierher gekommen. Wieder sprach ich positiv auf sie ein. Sie erzählte, dass sie ans aufgeben denkt. Nein habe ich gesagt du bist schon bis hierher gekommen - weiter gehts du schaffst das. Seit dem Zeitpunkt sind wir zusammen über die Strecke gelaufen und bergauf gegangen. Haben uns überall durchgekämpft. Dem Regen und Hagel getrotzt und nachts der bitteren Kälte die aufgekommen ist. Gegenseitig motiviert und ins Ziel gebracht. Ohne Sanita wäre ich irgendwann ausgestiegen und bei meinem Namen wäre in der Ergebnisliste ein dnf für distance not finished gestanden. Aber wir konnen uns immer wieder gegenseitig voranbringen.

 

Nachts nach Schloss Elmau, auf dem neuen Steckenabschnitt, ist es so kalt geworden, dass einem selbst durch das Laufen nicht mehr warm wurde. Die Kleidung ist von Anfang an bis jetzt pitsche patsche nass. Uns war klar, dass wenn es so bleibt, keiner von uns  das Ziels erreichen wird, da ja noch höhere Lagen auf uns zu kommen und die Temperaturen weiter fallen werden. Sanita hatte die zündende Idee, dass wir die Rettungsdecken aus den Medi-Kits als Wärmeschutzschild direkt auf der Haut tragen sollten. Vorher noch schnell mit den Stöcken Löcher für die Arme in die Folie gemacht und angezogen. Nasse Kleidung drüber und das Kälteproblem war gelöst ;-)

 

 

Noch viele Kilometer und Stunden trennten uns von der Erlösung in Grainau. Irgendwann gingen die Akkus der Uhren zu Ende. Keine Anzeige mehr über Zeit und Distanz. Man lebt nur noch von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle und hofft ein auf Schild, auf dem steht noch Food Station 1km oder Food Station 500m. Gerade der Aufstieg hoch zu VP9 (der Alpspitz VP) hat sich lange und sehr anstregend hingezogen. Oben angekommen hatten wir auch nicht mehr viel Zeit. Bisher war das Cut-Off Fenster immer so 2 Stunden hinter uns inzwischen ist es auf 1:45 h näher gekommen. Also kurz was getrunken. Hunger hatte man nicht mehr wirklich ging es sofort weiter hoch über die Alpsitze und drum herum. Irgendwann sind wir wieder an der VP angekommen und das Ziel ist greifbarer Nähe. Nur noch 6km bis Grainau sind zu schaffen.

Nur noch zu dritt auf und keine Menschen Seele mehr weit und breit machten wir uns an den gut 4km langen und extrem steilen Abstieg. Die Stöcke wurden immer nach vorne in den Matsch gerammt und dienten als eine Art Bremse und Stütze abwärts. Die Oberschenkel glühten schon. Runter kann anstrengender sein als rauf ;-) besonders nach 25 Stunden Dauereinsatz. Ab und an rutscht man weg und schlittert durch den Matsch und über die Felsen.

Mehrfach hat man schon gedacht endlich im Tal und dann geht es doch wieder weiter runter. Aber auch für uns sollte der Boden kommen und da war er. Fester Boden unter den Füßen. Lichter, Straße, Schilder. Neue Energie wurde im Körper bereit gestellt und wir konnten wie der schneller Laufen. 2 KM bis ins Ziel. Die Motiviation steigt mit jedem Schritt. Jeder von uns Drei wusste nun - nichts und niemand kann uns mehr aufhalten. Und so verschränkten wir die Arme kurz vor der Ziellinie und liefen geschlossen durch das Ziel mit einer unglaublichen Laufzeit von knapp unter 26 Stunden. Wir sind Stolz über beide Ohren.

 

Im Ziel gab es einen herzlichen Empfang vom Publikum und den Moderatoren. Auch Kurt war schon da. Wir fühlten uns wie Helden auch wenn wir ganz hinten im Feld waren. Noch 6 Läufer waren auf der Strecke. Nach gut 15-20 Minuten sind auch die Letzten angekommen. Alle sind Helden an diesem Morgen.

Mein kurzer Text kann nicht im entferntesten die Eindrücke, neuen Erfahrungen und Erlebnisse widerspiegeln. Das Abenteuer lässt sich gar nicht recht in Worte fassen. Das Material würde für ein ganzes Buch reichen!

 

Von allen meinen Läufen, die ich bisher gelaufen bin - war dieser Lauf mit Abstand einer der härtesten und längsten ohne hin. Aber zeitgleich ist es auch der schönste Lauf geworden, mit allen seinen unglaublichen Eindrücken. Die Leute auf der Strecke waren einfach alle super. Vom Läufer zum Helfer an den VPs. Jeder hat gekämpft, egal ob er es bis ins Ziel geschafft hat oder nicht. Das spielt auch eigentlich bei diesem Härtegrad keine Rolle mehr! Alle, jeder Einzelne, der hier unter diesen Bedingungen angetreten ist, ist schon von vornherein ein Sieger und hat mentale Stärke bewiesen.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen viel zu Filmen und einen schönen Film vom ZUT zu erstellen. Der Lauf war aber so extrem hart dieses Jahr, so dass ich mehr als genug mit mir selber zu tun hatte. Tut mir leid! Nächstes Jahr wird das bestimmt besser ;-)

Wir sehen uns 2017 zur 7. Auflage beim ZUT in Grainau

Danke allen die dabei waren und das Event zu einem Highlight gemacht haben. Es war toll viele alte und noch mehr neue Läufer getroffen und kennengelernt zu haben. Danke den Helfern und Veranstalter für die perfekte Organisation und die schöne neue Strecke. Und allen allen anderen die mir das ermöglich haben hier teilnehmen zu können ;-)

Im Nachhinein haben wir erst erfahren - wie viele auf der Strecke aufgeben mussten. Wir gehören somit zu den ca. 62% die durch gekommen sind über alle Distanzen. Das macht uns Stolz und Glücklich.

 

Die die es nicht geschafft haben. Kopf hoch. Krone richten und nächstes Jahr wieder kommen. Auch ich hatte meine erste Teilnahme beim ZUT 2014 nur bis KM 35 geschafft. Zum ersten mal überhaupt in der nähe von Bergen - lernte ich was Berge sind ;-)


Alle Bilder ZUT 2016

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Nur 3 Wochen bis zum ZUT 2016! Ausrüstung Tipps und Tricks

Der Rennsteig ist wieder einmal Geschichte und in 3 Wochen schon, ruft die Zugspitze erneut alle Läufer zu sich, aus allen Ecken Deutschlands und natürlich dem Ausland. Ich bin für dieses Jahr besonders gespannt, wie das Wetter wird. Wer meinen Bericht vom letzen Jahr gelesen hat, weis ja, dass es im Prinzip von Anfang bis Ende geregnet und geschneit hat. Es war teilweise bitter kalt (besonders Nachts).

 

Für dieses Jahr wünsche ich mir Sonnenschein und angenehme Temperaturen, so um die 12-14 Grad ;-) Klar ich weis, alles Wunschdenken. So wie es wird, wird es! Ändern kann man daran natürlich nichts. Nach der Kälte- und Nässeschlacht letztes Jahr, werden wir Läufer bestimmt als Abwechslung mit einer Hitzeschlacht getestet. Schauen wir mal. Wie es war könnte ihr kurz nach dem Lauf lesen.

Für mich ist jetzt die intensive Zeit der Vorbereitung angebrochen. Es sind nur noch 2 Wochen mit maximalem Training möglich und nach der Niederlage beim Rennsteig gibt es einiges gut zu machen bzw. wieder ins Lot zu bringen.

 

Bei meiner Selbstdiagnose habe ich festgestellt, dass div. Muskelbereich stark verkürzt sind und dringend gedehnt werden müssen. Damit hatte ich sofort nach dem Rennsteig begonnen. Auch wesentlich mehr lange Läufe in der Woche sind nun notwendig. Hier werde ich mindestens 2-3 Läufe >20km einplanen. Bisher hatte ich einen höchstens 2 lange Läufe in der Woche im Plan.

 

Ich hoffe meine Taktik bei der Vorbereitung geht auf und bringt mich sicher und locker ins Ziel. So etwas wie beim Rennsteig darf mir bei der Zugspitze nicht passieren!

In der letzten vorletzten Woche vor dem Lauf möchte ich in der Summe 100km im Training (in der Wochensumme absolvieren). Danach nur noch regenerative kurze Läufe um locker zu bleiben. Morgen starte ich ein kleines Bergtraining am Kreuzberg und werde auch in den folgenden zwei Wochen verstärkt Bergläufe einbauen um hier noch etwas Krafttraining zu absolvieren.



Zeit für die Ausrüstung und Tipps und Tricks

Auch der Pflicht- und persönlichen Ausrüstung sollte man sich langsam widmen. Alles erst einmal zusammen tragen und prüfen. Wer hier noch ein paar Tipps und meine Ausrüstung vom letzten Jahr (dieses Jahr wird es wieder die selbe) einsehen, möchte kann das hier tun.

 

Ausrüstung ZUT 2015 sowie damalige Pflichtausrüstung

http://marcokister.blogspot.de/2015/05/ausrustung-zugspitz-ultra-trail-2015.html

 

Update Ausrüstung - es soll nicht so schön werden beim ZUT 2015!

http://marcokister.blogspot.de/2015/06/kleider-update-fur-den-zugspitz-ultra.html

 

Tuning der Stockhalterung am SLAB 12

http://marcokister.blogspot.de/2015/05/tuning-stockhalterung-am-salomon-slab.html

 

Mein neuer Rucksack OLMO 12 von Raidlight

http://marcokister.blogspot.de/2015/06/update-ausrustung-zugspitz-ultra-trail.html

 

Tolle Fotos für unterwegs

http://marcokister.blogspot.de/2015/06/tolle-fotos-unterwegs-gibt-es.html

 

Temperaturen fallen mit zunehmender Höhe! Temperaturtabelle & Berechnung

http://marcokister.blogspot.de/2015/06/temperatur-fallt-mit-zunehmenden.html

 

Mein Bericht vom ZUT 2015

http://marcokister.blogspot.de/2015/06/salomon-zugspitz-ultra-trail-2015-etwas.html

 

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Noch 86 Tage bis zum Zugspitz Ultratrail

Ein leichtes Krippeln ist im Magenbereich zu spüren, wenn ich an den bevorstehenden Zugspitz Ultratrail denke. Gerade bin ich mal wieder über deren Webseite geschlendert. Dabei ist aufgefallen, dass es nur noch 86 Tage bis zum Start sind. Auf diesen Wettkampf freue ich  mich besonders. Endlich wieder Alpenluft schnuppern und über steile Aufstiege kämpfen, wie sie es hier in meiner Region nicht zu finden gibt. Landschaftlich durch nahezu nichts zu übertreffen.

Bin ich schon bereit für den ZUT?

Dieses Jahr kann ich diese Frage ganz klar mit einem "ja" bestätigen. Schon seit Ende Februar knüpfe ich an der Formkurve der letzten Saison an, die notwendig ist, um den ZUT zu bewältigen. Musste ich mich letztes Jahr speziell für den ZUT zu dieser Formkurve hin trainieren ist die Herausforderung in diesem Jahr diese Formkurve weiter auszubauen und gar bis in den Juni zu halten!

 

Glücklicherweise stehen in diesem Jahr deutlich mehr lange Wettkämpfe vor der Zugspitze an. So laufe ich im April den Bilstein Ultra und Mai den Supermarathon 72km am Rennsteig. Das sollte als lange Wettkämpfe im Vorfeld durchaus reichen und bringt einiges an Höhenmetern mit sich. Mir ist aber durchaus bewusst, dass ich mich gerade was den ZUT angeht nicht in trockenen Tüchern bewege! Hier kann alles passieren! Drum dran bleiben und fleißig Höhenmeter in der etwas entfernten Rhön sammeln.

Schöne Aussicht und noch schönere Bilder sind beim ZUT garantiert. Solange es nicht wieder wie im letzen Jahr wird. Da gab es leider nur wenige Verschnaufpausen wo mal kurz die Sonne durchgespitzt hat. Aber 2016 wird bestimmt ein heißes und sonniges Jahr. We will see...

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Temperatur fällt mit zunehmender Höhe

Wie kann grob ermitteln werden, welche Temperatur einen bei einem Lauf wie dem ZUT oder generell in den Bergen erwarten?

 

Dieser Frage bin ich zwangsläufig nachgegangen um meine Kleiderauswahl für den ZUT zu optimieren und richtig zu wählen. Eine einfache Antwort dazu hat mir Phillip Reiter gegeben. Zusätzlich bin ich aber auch noch fündig in einem Wetterlexikon geworden. Welche Temperaturen zu erwarten sind kann man einfach grob berechnen.

 

Beim diesjährigen Zugspitz Ultra-Trail 2015 war das Wetter weniger schön gemeldet. Besser gesagt, es verspricht ein regnerischer Lauf bei kühlen Temperaturen zu werden! Meine Ausrüstung die ich zum Start anhaben werde musste ich entsprechend überdenken.

 

Kommen wir zur Berechnung der Temperatur in der Höhe. Je mehr man an Höhe gewinnt und je feuchter die Luft ist, umso mehr nimmt die Temperatur je 100 Meter ab! In trockener Luft nimmt die Temperatur um 0,98°C pro 100m ab. In feuchter Luft je nach Grad 0,4°C bis 0,9°C. Phillip Reiter hat mir das mit 0,65°C vorgerechnet. Ich denke mit diesem Wert hat man immer einen guten Mittelwert für die Ermittlung.

Grainau liegt bei ca. 750m über Null. Beim Lauf begeben wir uns auf ca. 2100 HM über Null. Somit werden sich voraussichtlich die Temperaturen wie rechts neben dem Text ergeben.

 

Es werden uns also Temperaturen beim Start im Tal um die 10°C erwartet. Somit sollte man auf 2100m mit ca. 1°C rechnen. Generell lieber wärmer als kälter angezogen und nach dem bewährten Zwiebelschicht-Model!

 

Schließlich kommen viele erst am nächsten Morgen an. Nachts könnte es noch kälter werden also in den Minusbereich hinein - das darf man nicht vergessen. Also immer in Bewegung bleiben und die Kleiderwahl richtig anpassen.

 

Alle Angaben wie ohne Gewähr!

 

Hier noch die Quelle meiner Berechnungsgrundlagen

http://www.wetter.net/lexikon/abnahme-der-temperatur-mit-der-hoehe.html

Nicht an den Kelvin im Text auf wetter.net verwirren lassen! Hier wird offensichtlich °C gemeint!


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ZUT 2015 extreme Version - Salomon Zugspitz Ultratrail 


Marco

Schon einige Tage fiebere ich dem diesjährigen ZUT 2015 entgegen, denn nach einem Jahr des Wartens, ruft die Zugspitze erneut mit dem Salomon Zugspitz Ultra Trail in Grainau. Hier ist noch eine ganz große Rechnung mit den Bergen offen. Die Tage zuvor habe ich wie vermutlich jeder Läufer für dieses besondere Wochenende damit verbracht das Gepäck unzählige mal zu checken und hin und her zu räumen. Schließlich will man ja nix vergessen und alles soll optimal bereit sein.


Als es nach einer langen Nacht mit schon deutlicher spürbarer Aufregung an das Bevorstehende endlich Freitag war, ging  es pünktlich um  9:00 Uhr mit voll gepacktem Fahrzeug los. Als erstes Ziel tippte ich die Adresse von Kurt ins Navi ein und setze mich mit meinem Fahrzeug rassant in Bewegung. Wie ein Pfeil flog ich über die Autobahn nach Zeil.


Punkt 9:30 Uhr schlug ich bei Kurt in Zeil auf und stehe vor seiner Haustüre. Er erwartete mich schon mit zwei prall gepackten Taschen im Hausflur. Er verabschiedete sich noch schnell von der Family und schon konnte die Fahrt Richtung Berge weiter gehen. Wir waren beide schon so aufgeregt über den Lauf, so dass sich alle Gesprächsthemen auf der Fahrt um den Zugspitz-Lauf drehten. Leider haben sich die Berge diesmal hinter dichten grauen Wolken gut versteckt und man konnte den Flair der Anfahrt nicht wie im Vorjahr genießen. Aber prinzipiell überwog natürlich die Vorfreude und blendete alles negative aus ;-)

Die Fahrzeit verflog wie im Flug und es dauerte nach einer kurzen Landstraßenfahrt nur wenige Kilometer bis uns kurz vor Grainau schon das ZUT Ultra-Trail-Männchen ins Auge fiel.


Wir liessen uns es nicht nehmen ein kurzes Foto-Shooting mit dem Kerlchen zu machen. Die Wiese war völlig aufgeweicht, so dass die Straßenschuhe einem Feuchtetest unterzogen wurden. Socken und Füße konnten sich so schon einen ersten Vorgeschmack auf den morgigen Lauf machen.


Nach gut einem Kilometer erreichten wir den Parkplatz vor unserer Pension (Gästehaus Luitpold). Bei Frau Zeller war ich schon letztes Jahr untergekommen. Das Haus und die Zimmer sind zwar alt aber es ist gemütlich und Frau Zeller ist eine sehr nette Gastgeberin. Man hat ein Bett zum schlafen und Sie steht extra früh auf, so dass wir Läufer pünktlich um 5:30 Uhr unser Frühstück vor dem Lauf bekommen.

Auf unserer ToDo Liste stand das Einchecken in der Pension. Neben uns haben sich noch eine Horde Holländer und einige andere Läufer in der Pension einquartiert. Wir konnten uns drei der noch freien Zimmer heraussuchen im ganz oberen Stockwerk (oh nein da müssen wir nach dem Lauf dann noch einmal hoch und runter - waren sofort meine Gedanken). Hilft nix - mehr ist nicht mehr frei. Witzig war, dass ich wieder das gleiche Zimmer wie im Vorjahr erwischt hatte.  Kurt hatte sein Zimmer direkt neben meinem. Nachdem alles Equipment in den Zimmern verstaut war - stand natürlich das wichtigste auf dem Programm. Na was könnte das gewesen sein? Na klar die Anmeldung bei der ZUT Registrierung.


Bereits letztes Jahr hatte ich mich sehr gefreut, dass diese Pension nur wenige Schritte (ca. 50m) vom Start entfernt ist. Näher dran dürfte kaum gehen ;-) Wir liefen zur Registrierung. Dort angekommen war nicht viel los, so dass keine großen Wartezeiten vorherrschten.

Man beachte den großen Berg an Salomon Sporttaschen ganz hinten an der Wand. Bei der Registrierung hinterlegt man 50€ für die Startnummer die man nach dem Lauf sofort nach der Rückgabe des Transponderchips wieder erhält.


Ein üppiges Starterpaket in der Sporttasche wartet zu unserer Freude auf uns Ultra-Läufer. Endlich gab es auch ein neues Startnummernband, die echt Gold wert ist sowie ein Einkaufsgutschein über 20€ von Sport Conrad. Neben einer Handvoll Power-Gels und Schutzöl gegen Wundscheuern lag in der Tasche auch der Gutschein für die Nudelparty - ganz wichtig für Freitagabend im Festzelt.


Nach der Registrierung sind wir erst einmal zum Parkplatz gegenüber der Pension gegangen und haben unsere Errungenschaften dort im Auto zwischengelagert. Im Anschluss kommt der obligatorische Läufer-Expo-Besuch. Hier sind eine überschaubare Anzahl von Ausstellern wie Sport Conrad und andere Vertreter der einschlägigen Marken für unseren Trail-Sport. Kurt sucht noch eine neue Regenjacke, da seine nicht mehr ganz dicht war und schon einige Jahre auf dem Buckel hatte. Sport Conrad hatte wie jedes Jahr den größten Stand und das Verkaufszelt platzte aus allen Nähten. Unser Plan war aber in Garmisch Partenkirchen zu Mittag zu essen und direkt in der Filiale von Sport Conrad nach Kleidung zu schauen. Nachdem wir uns alle Stände angesehen hatten - quälte uns der Hunger schon sehr und kurzer Hand sassen wir schon im Auto und auf direktem Weg zu Sport Conrad. Dort angekommen fanden wir sogar direkt vor der Tür einen Parkplatz. Der Laden ist sehr groß und gut Sortiert. Zielgerichtet begaben wir uns in das Untergeschoss wo wir leider feststellen mussten, dass der Trail-Bereich nahezu komplett leer geräumt war... Hätten wir uns ja eigentlich denken können, dass die alles nach Grainau auf die Expo geschafft hatten. Nichts desto trotz hatte Kurt Glück und hat eine geeignete Regenjacke von Salomon gefunden. Ausgezeichnet war diese mit 79,00 €. An der Kasse gab es aber dann noch eine sehr positive Überraschung. Die Kasse zeigte nach dem Abscannen 59,00 € und dann ging noch der 20€ Einkaufsgutschein aus dem Starterpack ab. 39,00 € für eine neue Salomon Regenjacke! Sau gut! Glück muss man haben ;-)

Auf der Suche nach einer schönen Gaststätte sind wir auf eine Perle im Ort gestoßen. Hier gab es genau das richtige für den Läufer am Mittag. Das Restaurant La Spelonca kocht jede Bestellung ganz frisch und die Tageskarte lud uns auf Nudeln mit Käsesoße, Speck und frische Pfifferlinge ein.


Das war so lecker, dass ich mir das Restaurant tief im Kopf verankerte. Wenn ich mal wieder hier bin (also spätestens nächstes Jahr) ist das ein muss hier wieder vorbei zu kommen. Also wenn mal jemand in Garmisch Partenkirchen ist und was gescheides zu Essen sucht... La Spelonca ist dann mein Geheimtipp!

Nach dem Essen ging es wieder zurück nach Grainau. Bevor wir erneut die Expo besuchten - hat jeder auf dem Zimmer seine Ausrüstung für den nächsten Tag geprüft. Falls jetzt noch etwas gefehlt hätte, wäre die Expo die letzte Möglichkeit für einen Einkauf gewesen. Bei uns beiden hatte wie erwartet natürlich nichts gefehlt.


Zielgerichtet gingen wir wieder zum Expo-Gelände und Kurt suchte noch nach Beinlingen für den Lauf, da das Wetter wohl mehr als schlecht werden würde. Auch der Wetterbericht, den ich permanent im Blick hielt verhieß weiterhin nichts Gutes. Mein Blick blieb an einer Salomon Exo Hose hängen. 60€ ein Schnäppchen und dann noch mein Gutschein mit 20€. Gekauft!


Auf dem Expo-Gelände traf ich noch Mario, den ich über Facebook kurz vor dem Lauf kennengelernt hatte. Nach einem kurzen Plausch ging es für jeden dann erst mal wieder weiter. Die Zeit war inzwischen auch schon sehr fortgeschritten, so dass es schon auf die Nudelparty zu ging. Nach einem kurzen Abstecher wieder in der Pension fanden wir uns schnell an einem der Biertische im Festzelt wieder. Rassant füllte sich das Zelt mit Läufern und Angehörigen. Mit unseren Gutscheinen erhielten wir jeder eine üppige Portion Nudeln wahlweise mit Tomatensoße oder Hacklfeischsoße sowie einem großen Salat plus Getränk. Devise war Energie tanken was geht ;-) Das war ja somit unsere zweite Ladung Nudeln an diesem Tag. Da kann für den morgigen Tag ja nichts mehr schief gehen waren meine Gedanken.

Das Strecken und Sichheitsbriefing

Pünktlich um 19:30 Uhr gab es das Strecken und Sicherheitsbriefing. Hier wurde ganz unverblümt klar gestellt, dass uns Läufer dieses Jahr auf Grund der massiven Wettereinflüsse ein härteres Rennen bevor steht. Zudem sollten wir uns auf eine Schnellfallgrenze ab ca. 1700 Höhenmetern und eisige Temperaturen einstellen. Verantwortungsvoll teilte die Orga mit, dass absolut wert auf eine komplette Pflichtausrüstung gelegt wird und zwischen den Verpflegungsstellen 3 - 5 komplett lange Kleidung Pflicht ist und ab eintretender Dunkelheit ebenfalls. Auch ist im Gespräch, dass die Strecke an zwei Stellen (höchsten alpinen Stücke) beschnitten wird. Somit würden ca. 9km wegfallen (wie z.B. das steilste Stück bei der letzten Verpflegung der Alpspitz). Ob diese Massnahme notwendig ist, wird das Orga-Team beim letzten Briefing 15 Minuten vor Start bekannt geben. Da die Gefahr sehr groß sei, dass Läufer auskühlen würden und eine Rettung dann unter umständen schwierig je nach Position und Lebensgefährlich sein könnte. Wer also bei sporadischen Kontrollen unterwegs mit fehlendem Equipment erwischt wird - dem drohte eine sehr empfindliche Zeitstrafe oder sogar die sofortige Disqualifizierung aus dem Lauf.


Um 22:00 Uhr ist dann auch Zapfenstreich und somit Schlafenszeit, um bestmöglich erholt am nächsten Tag am Start zu stehen. Die Nacht wird kurz, da mein Handywecker bereits um 4:45 Uhr geklingelt hat. Schließlich will ich noch meine Wettkampf-Ernährung sauber abschließen, die ich bereits seit einigen Tagen begonnen hatte. Spätestens wer jetzt im Bett liegt und an den morgigen Tag des Rennens gedacht hat - wird spüren wie das Herz in die Hose rutscht und der Pulsschlag steigt. Dieses Jahr bin ich zum Glück voll  motiviert und die dummen und demotivierenden Gedanken vom Vorjahr sind erst gar nicht aufgekommen. Ich freute mich total auf den bevorstehenden Lauf und hatte nur positive Gedanken daran. Irgendwann schläft man dann auch ein.

Der Wettkampftag

Schon vor meinem Wecker bin ich munter aufgewacht. Da die Pension schon sehr alt ist und ich mit Sicherheit der erste auf denen Beinen war - bewegte ich mich sehr leise auf dem knarzenden Boden. Die komplette Ausrüstung wartete ja schon abmarschbereit um mich herum verteilt. Ich schlüpfte in die Laufkleidung, die mich für die nächsten Stunden quer durch das Gelände rund um die Zugspitze begleitet.


Ich bin Brillenträger und habe in der Regel leider etwas Probleme mit Kontaktlinsen (also wenn diese länger drin sind). Trotzdem habe ich mich für Kontaktlinsen beim ZUT entschieden, da ich aus Erfahrung wusste, dass in dem Gebiet und den Höhenmetern mit Brille andere Probleme auf mich zugekommen wären wie z.B. Beschlagen der Glässer etc. Aber ich greife an dieser Stelle mal vor und kann nur sagen, dass war die beste Entscheidung. Auf Grund des permanenten Regens sind keinerlei Probleme mit den Kontaktlinsen aufgetreten - diese wurden immer gut feucht vom Regen gehalten und hatten somit nicht gestört. Stets freie Sicht also. Zur Not hätte ich eh ein Spray zum Nachbenetzen dabei gehabt.

Pünktlich um 4:45 Uhr nahm ich mein erstes Frühstück zu mir ganz wie es auf meinem Ernährungsplan steht. Ein großes Glas Saft (in meinem Fall Aronia von fitrabbit) sowie eine Banane und einen halben PowerBar-Riegel. Dazu noch reichlich Flüssigkeit.


Warum einen Ernährungsplan mag der ein oder andere sich fragen. Weil ich gemerkt hab, dass es mir gut tut und zudem die Leistung deutlich steigert. Auch die Tage zuvor geht es mir mit einer genau geregelten Ernährung perfekt! Das muss natürlich jeder für sich selber entscheiden und vor allem ausprobieren. Tipps gibt es hierzu von Greif. Darüber habe ich schon einen Bericht in meinem Blog verfasst gehabt.


Wer diesen noch lesen möchte würden ihn hier finden:

http://marcokister.blogspot.de/2015/05/eine-mal-wirklich-tolle-seite-fur-alle.html


Etwas später gab es dann noch von Ultrasports einen Starter. Danach folgte um 5:30 Uhr das offizielle Frühstück in der Pension. Ich begnügte mich mit einem halben Brötchen mit Butter und Käse sowie reichlich Tee und Wasser. Mehr als das halbe Brötchen hatte einfach nicht mehr reingepasst.


Inzwischen ist es kurz vor 7:00 Uhr und wir standen fix und fertig vor der Eingangstür der Pension. Auch eine Horde Holländer, die in der Pension zu Gast ist hat sich bereits vor der Tür eingefunden. Zielstrebig ging es zum Startgelände nur kurz über die Hauptstraße und den Starttunnel entlang. Um in den Startbereich zu kommen, musste jeder Läufer sich einem gründlichen CheckIn und seiner Ausrüstung unterziehen. Besonders Wert wurde auf lange Kleidung, Regenkleidung und Stirnlampe sowie Mütze und Handschuhe gelegt. Nachdem Kurt und ich den Check natürlich erfolgreich überwunden hatten, standen wir schon in der Menge der Starter. Wieder herrschte eine ausgefallene Stimmung und jedem war die Freude auf den bevorstehenden Lauf anzusehen. Punkt 7:00 Uhr gab es noch kurz das letzte Briefing bei dem mitgeteilt wurde, dass die Original-Strecke gelaufen wird. Also keine Beschneidung der Strecke notwendig sei. Die Freude unter uns Läufern war natürlich groß gewesen.


Und kurze Zeit später zählten wir schon den Countdown rückwärts. Beim ZUT gibt es einen neutralisierten Start. Ein Führungsfahrzeug fährt voraus und die Läufer werden so bis zum Einstieg in den Trial begleitet. Überholen ist verboten. Und schon konnte es los gehen. Gleich knackig geht es immer aufwärts. Einfach immer dem Vordermann/Frau hinterher. Rechts und links war die Strecke mit den Kühen auf den Weiden geschmückt und einige der Tiere wurden von uns Läufern umhergetrieben. Sicher dachten sich die Tiere was hier los ist. Eine Herdenwanderung?!


Mein Ziel ist ganz klar definiert gewesen. Kein Risiko bei der Geschwindigkeit und den Steigungen eingehen. Ziel ist dieses Jahr durchkommen und nicht auf das Tempo zu schauen! Somit startete ich endlich einmal besonnen und wirklich langsam. Nach dem ersten Einlaufstück dauert es nicht lange bis man das Höllental erreicht. Hier bekam man als Läufer schon die ersten schönen landschaftlichen Eindrücke zu sehen. Eine ganze Zeit lang folgt man einem an diesem Tag reissenden Bach der durch den Regen und vermutlich immer noch anhaltenden Schmelzvorgang ganz oben in den Bergen gespeist wird. Ab hier geht es dann als geschlängelt einen schmalen Pfad empor. Fast alle um mich herum sind wohl mit Trail-Stöcken gestartet und immer wieder packte hier und da jemand seine Stöcke heraus. Ich fühlte mich aber sehr gut und hatte keine Lust stehen zu bleiben um die Stöcke aus meinem Rucksack zu packen. Mir war zu diesem Zeitpunkt aber schon klar, dass ich spätestens bei VP1 die Stücke rausholen werde.

Verpflegungsstelle 1 - KM 10

Nach einem ersten sehr schönen Streckenabschnitt trifft man auf VP1 der Tour. Meine Trinkflaschen sind noch sehr gut gefüllt und ich schnappe mir lediglich ein Stück Melone und Gurke mit viel Salz. Um den Salzgeschmack wieder los zu werden - schiebe ich noch ein größeres Gurkenstück hinterher und trinke aus einer meiner beiden Trinkflaschen. Jetzt war noch das Problem Stöcke. Eine Dame am Streckenrand die dort mit einem der Läufer stand hatte ich gebeten mir die Stöcke aus dem Rucksack zu holen. Gerne tat Sie dies und drückte mir die Stöcke in die Hand. Sofort begab ich mich wieder auf die Strecke und diesmal mit den Trail-Stöcken in der Hand die dort auch bis ins Ziel blieben. Mein Aufenthalt in der VP1 war wirklich sehr kurz. Ich schätze ca. 2-3 Minuten.


Vorgenommen hatte ich mir auch, in jedem Fall bei jeder Verpflegungsstelle reichlich Salz zu mir zu nehmen um zu verhindern und zu testen ob meine Krämpfe eventuell doch auf einen Salzmangel zurück zu führen sind, da ich im Vorfeld bereits weitere Untersuchungen wie Vene etc. hab durchführen lassen ohne erkennbaren Befund auf Krämpfe.

Voll motiviert und gut gelaunt geht es weiter auf der Tour. Es dauert nicht lange und ein langer steiler Anstieg baut sich vor uns auf. Circa 4 KM geht es stets steil bergauf. Aber stets entschädigt Aussicht und Vegetation. Immer wieder prüfe ich meinen Zustand und bin bis dahin doch sehr begeistert, dass mir die Aufwärtspassagen scheinbar nichts ausmachen. Das Jahr zuvor hatte ich gut zu kämpfen und lief Puls mässig sehr am Anschlag bei diesen steilen Anstiegen. Dieses Jahr läuft es bisher perfekt. Aber mir ist klar, dass ich noch nicht mal bei VP2 bin und das wirklich harte erst zwischen VP2 und kurz vor VP3 kommt bei der ich letztes Jahr ausgeschieden bin. Nach VP3 (darauf freue ich mich am meißten) kenne ich die Strecke nicht, da ich ja noch nie so weit war. Auch soll es ab VP3 erst so richtig Steil und ganz hart werden wenn es in den hochalpinen Bereich (über 1600m) geht. Die Schneefallgrenze ist ja bei ca. 1700HM gemeldet worden, somit sollte dort etwas Schnee zu sehen sein.


Wieder kämpfen wir Läufer uns unter Stockeinsatz die quälenden nicht enden wollenden Steigungen hoch. Aber irgendwie beflügelt mich der Lauf und ich kann es nach wie vor nicht verstehen, dass mir die steilen Anstiege nichts ausmachen. Im Gegenteil - mich überholt so gut wie kein anderer Läufer an den Aufstiegen und ich kann sogar den ein oder anderen am Berg überholen. Oft frage ich mich - geht das nur jetzt so einfach und ich bin einfach wieder zu schnell und später kommt ein Einbruch etc.. Puls und Pace sagten aber alles im grünen Bereich!


Und da ist sie. Eine Wiese taucht vor mir auf und es ging aktuell noch leicht abwärts. Die Stelle mit der großen schwarzen Fahne kannte ich noch vom letzten Jahr. Unweit dahinter kommt die Gamsalm. Eine wirklich tolle Verpflegungsstelle - dort hatte ich mich letztes Jahr viel viel zu lange aufgehalten. Aber die hatten auch verdammt leckere Orangen gehabt!!! Auch ein Vorsatz für dieses Jahr - weniger ist mehr auch beim Essen!

Bevor man aber die Gamsalm erreicht hat, ging es erst einmal steil die nasse und aufgeweichte Wiese hinab. Wer hier bei so mancher Kurve nicht aufgepasst hat - hätte leicht auf dem Hosenboden landen können. Endlich erreichte ich die Gamsalm. Eine gefühlte Ewigkeit hatte ich schon voll Hunger. Hier aß ich wieder ein Stück der leckeren Melone und wie für jede Station Gurke und Salz sowie ein kleines Stück Banane.


Ab VP3 ist es ja Pflicht lange Kleidung zu tragen. Wir war zu dem Zeitpunkt bei der Gamsalm weder warm noch kalt. Aber weil ich dann später nicht noch einmal den Rucksack abnehmen wollte entschied ich mich, gleich hier die Beinlinge anzuziehen. Leider passten diese natürlich nicht über die Schuhe so dass die auch noch runter mussten. Sicher war es eine gute Entscheidung hier die Beinlinge anzuziehen. Wer weiss später wäre das vielleicht nicht mehr so leicht gegangen - wenn noch Krämpfe oder so dazu gekommen wären...


Nach der Gamsalm geht es erst einmal länger abwärts. Hier kann man wieder ein bisschen Speed machen und Zeit gut machen. Später wird das Gelände wellig und es geht mal hoch mal runter. Nach ca. 5 KM kommt dann mal wieder einer der ewigen langen Hammeranstiege Richtung Feldernjöchl dem höchsten Punkt der Strecke. In der Mitte des steilen Anstiegs ist VP3 plaziert.


Wieder kann man sich gut von der Natur und der traumhaften Strecke ablenken lassen und schiebt sich einfach hochwärts.

Irgendwann vor VP3 ging es lange eine lange steile geteerte Straße hoch (die war wirklich steil - mit dem Auto will man da besonders im Winter nicht runter fahren!!!). Oben angekommen wurde es leicht flacher und ich erkannte, dass ich kurz vor der VP3 sein müsste. Noch länger zog sich der Anstieg weiter und die Freude auf VP3 wurde immer größer. Trotz des schlechten und regnerischen Wetters hatte es in diesem Bereich ein paar Wanderer hinauf verschlagen. Drei von diesen waren gerade mit dem Lift oben angekommen und kamen von der Liftstation herunter auf die Strecke. Neugierig schauen Sie uns Läufern zu. Irgendwann etwas später kam eine Horde älterer Damen entgegen die sagten "wir waren schon oben". VP3 lässt auf sich warten und die Strecke zieht sich. Aber das ist ja immer so, wenn man auf was wartet, dann fühlt es sich länger an.

Verpflegungsstelle 3 - KM 28

Endlich nach einer kurve entdeckt man die VP3 schon oberhalb von sich. Wie immer überquert man die Matte der Zeitmessung und durch ein kurzes "beep" weiss man, wieder ein Stück in der Tasche ;-) Die Flaschen benötigen inzwischen dringend eine Auffüllung mit ISO. Die gesamte Tour habe ich mich auf ISO verlassen und ich muss sagen - hat perfekt funktioniert. Das ganze war mir nicht zu süss und ich hatte auch nie das Gefühl davon über den Durst trinken zu müssen. Immer wieder habe ich nur kurze kleine Schlücke genommen. Ab hier gönnte ich mir auch bei jeder weiteren kommenden Verpflegungsstelle ein bis zwei kleine Becher Cola. Melone gab es ab VP3 leider keine mehr und ich aß was halt alternativ vorhanden war. Jedoch nie zu viel sondern bei jeder VP nur ein kleines bisschen. Es beeindruckt mich immer noch, wie viel Energie der Körper wohl aus einer so kleinen Menge schöpfen kann.

Nun betrat ich endlich das ersehnte Neuland der Strecke. Meine Vorfreude und Neugierde auf den alpinen Bereich war zu diesem Zeitpunkt schon sehr groß. Es ging aber erst einmal als weiter hinauf und hinauf.


Hier eine Grafik über die Höhenmeter und Steigungen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gar nicht gewusst, dass die Orga die Strecke aus Sicherheitsgründen gekürzt hat und somit an dieser Stelle wohl das steilste Stück gefehlt hat. Woher auch - ich kannte die Strecke nicht. Es ging dann irgendwann lange lange Berg ab und VP4 war schon da. Für mich bis dahin alles normal ;-) Ich muss auch sagen, dass mir die Zeit zwischen den Verpflegungsstellen immer schnell vorgekommen ist. Das Gefühl oder den Wunsch "wann kommt endlich die Verpflegungsstelle" hatte ich auf den Weg zu V8, weil ich tierischen Hunger hatte und dann so 2km vor dem Ziel ;-)


Nach VP4 wurde mein Warten auf den alpinen Bereich dann doch endlich mal belohnt. Es ging hoch auf das Scharnitzeljoch und es wurde richtig kalt. Da holte ich sogar meine Handschuhe aus dem Rucksack. Die Finger schmerzten bei den dünnen Dingern trotzdem total und waren ganz klamm. Aufgeweicht und Nass schlug die Kälte sofort durch die ultra dünnen Laufhandschuhe. Die Finger bog ich extra am Stock mehr nach innen, so dass die Hand den Stock nur halb umschloss um die Finger vor der Kälte zu schützen. Ab und an wanderte dann der Daumen mal unter die Faust wenn er zu stark schmerzte.


Es war schön mit anzusehen wie mit steigender Höhe immer mehr Übergang von grün zu grau und schließlich weiß statt fand.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich am 20 Juni noch einmal so viel Schnee zu sehen bekomme. Es war einfach nur spitze und wunderschön. Aber mit Vorsicht zu genießen. Die Entscheidung der Orga und vor allem die Pflichtausrüstung machen durch aus Sinn!!! Denn wem hier die Puste ausgeht auf Grund Erschöpfung hat ein richtiges Problem. Es war sau kalt und man würde in 0 , nix lebensgefährlich auskühlen!


Der Downhill vom Scharnitzjoch war der Hammer. Hier habe ich nur überholt und das ganze einfach rollen lassen. Waghalsig aber das musste nach den steilen Anstiegen einfach sein. Wäre ich hier gestürzt, wäre der Lauf wohl für mich zu ende gewesen. Über Felsen und rutschiges Geröll ging der Downhill. Die Strecke war dann furchbar ausgetreten und matschig ohne Ende. Einmal bin ich im Matsch weggerutscht und seitlich auf dem Po ein Stück gerutscht. Nix passiert und gleich weiter.


Zwei Bekannte Läufer habe ich hier eingeholt und rasant überholt. Robert und Harald kämpfen sich in das Tal hinab. Harald ist der Hammer. Auf Grund seiner Sehbehinderung kann er lediglich Konturen erkennen. An dieser Stelle den höchsten Respekt von mir für diese Leistung von Dir Harald. Erst kürzlich hatte er einen Wüsten-Trail absolviert hatte er erzählt.

Meine Füsse waren ja bereits seit dem Start durch den Regen nassgelaufen und es ging so steil hinab, dass einem die Zehen schon ein bisschen schmerzten und dummerweise rutschte aber die Sohle beider Schuhe immer weiter nach vorne und klauten den Platz für die Zehen!!! Die Schmerzen stiegen und auch das anwinkeln der Zehen half nix. Da war kein Platz mehr für die Zehen. Aber anhalten ist nicht. Die Schmerzen konnte ich ausblenden. Meine Gedanken war nur - das kostet mich wohl den ein oder anderen Zehnagel.


Lustig war - nach dem Downhill ging es wieder kurz steil hoch - so dass die Sohle wieder nach hinten wanderte. Was mir das ausziehen der Schuhe ersparte. Aber leider war das dann den Rest der Strecke ein hin und her mit den Sohlen! Die waren nach dem Lauf total zerkrümpfelt und werden auch nie wieder so sein wie sie mal waren...

Bei VP5 trafen wir uns wieder. VP5 ist auch die Station, bei der die Dropbox plaziert ist. Ich hatte aber keinerlei Bedarf etwas aus den Tasche zu holen. Auch wenn dort ein trockenes Oberteil gewesen wäre. Es wäre sowieso sofort wieder durchnässt worden. Mit meinen Speedcross war ich trotzdem zufrieden. Somit hab ich die Tasche links liegen gelassen und weiter auf den Weg gemacht. Der Arzt hat nur einen Blick auf mich geworfen und durch gewunken. Hätte mich auch gewundert, wenn nicht. Mir ging es nach wie vor grossartig.


Danach gab es immer ein Wechselspiel zwischen uns. Auf gerader Strecke wurde ich von diesen überholt und an Steigungen bin ich wieder vorbei gezogen. Ich hatte die Steigungen dieses Jahr geliebt. Es viel mir wesentlich leichter mich einen Berg hoch zu kämpfen als auf gerader Strecke mit dem Gepäck zu laufen.


Der weitere Verlauf der Strecke ist wie vorher auch im Flug vergangen. Ich lief von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle, ganz wie ich es mental geplant hatte. Bei der Verpflegungsstelle in Mittenwald gab es Nutella ;-) und Erdnussbutter. Mein Wunsch, dass ich beides gemischt auf ein Brot möchte wurde erfüllt. Leider konnte ich aber nur 3 Bissen machen. Das ging einfach nicht richtig runter... Aber trotzdem total lecker. Danke an dieser Stelle noch mal für das süsse Schmankerl.

Von Mittenwald Richtung Ferchensee hat es sich zum ersten mal so richtig gezogen. Es war mehr eine Waldautobahn mit relativ ebener Strecke. Ich wechselte zwischen sehr schnellem Walken und Laufen immer wieder ab. Dann erblickte ich den Ferchensee. Ein toller Anblick. Es war ja schon Abend und zu diesem Zeitpunkt hat es nur leicht genieselt und ein bisschen Nebel schwebte über dem See.


Traumhafte Kulisse im Hintergrund. Alle diese Ausblicke sind die Strapazen der Tour wert.

Langsam wird es auch dunkler und meine nächste Vorfreude steigt. Endlich wird mal ein richtiger Einsatz meiner NAO Lampe kommen. Diese hatte ich ja extra im letzten Jahr für den ZUT 2014 angeschafft. Bis dahin ist diese aber nie zum Einsatz gekommen.


Als nächstes Ziel stand die Partnachalm bei der Partnachklam auf dem Programm. Diese kannte ich bereits von einem unserer Campingurlaube in Mittenwald. Wir sind hier mit den Kids mal durchgelaufen. Sehr schönes Ausflugsziel. Ein paar KM muss man hier bis zur Partnachklam auf der Straße zurück legen. Das hat sich ein bisschen gezogen. und irgendwann kam dann mal die VP8. Schon lange hat mich ein bisschen der Hunger gequält und ich war froh dort die Energiespeicher wieder auffüllen zu können.


Aber hier sollte es jetzt noch einmal so richtig hart werden. Kurt hatte mich im Vorfeld vorgewarnt. Es geht steil hoch und man hat das Gefühl, dass es nie enden will. So ist es auch gewesen. Steil und immer Steiler geht es hoch. Immer im Zickzack. Man muss umgestürzte Bäume überwinden und sich durch knöcheltiefen Matsch kämpfen. Ein Glück habe ich Gamaschen an den Schuhen, so bleibe ich größtenteils von eindringendem Matsch verschont. Inwischen ist es so dunkel geworden, dass ich anhalten musste um meine Lampe heraus zu holen. Zuverlässig und leuchtstark führt sie mich durch die Nacht. Wenn man den Berg hinab sieht, sieht man in regelmässigen Abständen die Lichtkegel der anderen Läufer, wie sie sich den steilen Pfad empor schlängeln. Ein unvergesslicher Anblick.


Gerade als ich schon mit den Kräften kämpfe und sich im Kopf der Gedanke breit macht Geschwindigkeit raus zu nehmen. Höre ich schon die ersten vor mir jubeln. Das gibt neue Kraft und auch ich bin bei VP9 angekommen ganz oben! Nur noch wenige Meter bis zur Verpflegungsstelle. Es weht ein eisiger leichter Wind und ich friere sehr. Hier und da picke ich mir etwas zu essen raus. Die hatten einen leckeren Kuchen und die gesalzenen Erdnüsse lasse ich seit einigen VPs auch nicht an mir vorüber gehen ;-)


Die Getränkeflaschen fülle ich noch auf und entdecke das Wärmzelt. Hier sitzen ein paar Läufer und wärmen sich vor einem großen Gasheizstrahler auf. Oh ja dachte ich  mir. Da tanke ich kurz ein bisschen wärme. Das war ein wirklich übler Fehler!!!

Solange ich vor dem Strahler sass war es angenehm warm. Nach einiger Zeit musste ich weiter - denn wer rastet der rostet!

Nun traf mich aber die eisige Kälte mit voller Wucht. Patsch nass und ausgekühlt verlies ich die Verpflegungsstation. Von der Wärme des Stahlers ist nix hängen geblieben! Das sollte man nicht mehr machen. Zitternd und zu dem Zeitpunkt total entkräftet vor Kälte machte ich mich an den sehr steilen Abstieg. Es war so steil, dass ich mit den Trail-Stöcken vor mir aufsetzte und diese nutzte um herunter zu klettern. Die Schmerzen von einem Umknicken bei einem meiner rassanten Downhills im linken Fussgelenk waren deutlich spürbar und ich musste den Fuss etwas schonen, da er heftig schmerzte beim Auftreten.


Noch länger als hoch kam mir der Abstieg vor. Rutschig ohne Ende war das Geröll und die zermatschte Strecke. Das Regenwasser lief als Bach die Trampelpfade entlang und stellenweise waren die Schuhe und Füsse immer wieder bis über die Oberkante des Schuhs im Wasser, so dass dieses problemlos hineingelaufen ist. Aber das war mir schon lange egal und regelmässig bin ich einfach nur noch so durch Bäche und tiefe Pfützen gelaufen. Inzwischen hat die Strecke einen richtigen Braveheart Battle Touch für mich.


Irgendwann weiteten sich meine Augen vor Freude. Ein Häuschen, eine Straße dann viele Häuser - ein Dorf schoss es mir durch den Kopf. Ich fragte mich ob das schon Grainau ist. An einem Gebäude steht Bergwacht. Die Freude übermannte mich. Gab es doch genau gegenüber dem Startgelände auch ein Gebäude an dem Bergwacht stand. Fest bin ich davon ausgegangen, dass ich auf der anderen Seite des Gebäudes gegenüber vom Start/Ziel sein muss und es nur noch ein paar Meter bis zum Ziel sind. Die Freude hielt nicht lange an, als Plötzlich ein KM-Schild kam auf dem Stand, dass ich noch 2km vor mir habe.


Das war genau der Moment an dem ich anfing alles zu verfluchen. Die zwei KM haben sich echt gezogen. Mit vollem Bewusstsein lief ich und lief ich immer den Wegweisern nach. Die Stöcke prasselten über den Teer in dem kleinen Örtchen. Alle Leute schliefen schon und es herrschte bis auf mich dem Krachmacher totenstille. Das war mir aber total egal - sollen die aufwachen dachte ich mir. Immer weiter Kämpfte ich mich dann kann das Schild noch 1km to go. Jetzt kann mich nichts und niemand mehr aufhalten. Auch der letzte KM zog sich noch hin und innerlich habe ich beschlossen, dass ich erst mal nichts mehr von Steigungen, Höhenmetern, Bergen hören will!!!!


Da liegt es nun vor mir das Ziel. Die letzte Linkskurve und ich befinden mich im Zieltunnel. Ein letztes mal gebe ich Gas und ich habe es geschafft. Durch den Lautsprecher werde ich namentlich angekündigt. Die Freude bei mir ist natürlich sehr groß. Endlich beim zweiten Anlauf geschafft. Und ich muss sagen mir ging es super. Keinen einzigen Krampf gehabt - das hat mich am meisten von allem gefreut. Das war der erste Lauf ohne diese quälenden Krämpfe und mein erster 100km Lauf. Für mich lasse ich das trotzdem als 100km Lauf gelten auch wenn es 9km weniger waren. Die Witterung war extrem und hat den Lauf zu einem doch sehr schweren Lauf mutieren lassen.


Nach 17 Stunden und 32 Minuten bin ich kurz vor 1:00 Uhr in das Ziel in Grainau eingelaufen. Vor-Ort gab es frische Waffeln. Von diesen genehmigte ich mir eine und auch etwas zu trinken. Kurt war offensichtlich vor mir da. Auf eine SMS von mir reagierte er gar nicht mehr - so ging ich davon aus, dass er wohl schon schläft (was auch der Fall war). Er hat eine Glanzleistung von 15 Stunden irgendwas hingelegt. Super Leistung Kurt.


Kurz dachte ich noch an Robert und Harald die sich noch dem mörderischen Downhill bis Grainau stellen müssen.


Die Kälte hatte mich nun wieder fest im Griff und zittrig ging ich bei der Registrierung vorbei und holte meine Dropbox ab und gab den Zeittransponder ab. Danach führte mich mein Weg ohne Umwege direkt zur Pension. Dort angekommen stand schon alles voll von matschigen Läuferschuhen ;-)

Unsere Vermieterin Frau Zeller hatte auch eine Botschaft an der Tür hinterlassen ;-) Meine Schuhe hatten somit logischerweise Hausverbot sowie die Socken und Beinlinge. Alle liess ich einfach wie die anderen draußen stehen. Meine matschigen Füsse habe ich noch mit dem  Eiswasser aus einer Gießkanne einigermassen sauber gemacht.

JAAAA wir waren Helden ;-)

Die Schuhe links vom Eingang - auf der rechten Seite stehen auch noch welche... Der Eingangsbereich war natürlich gut dreckig und Frau Zeller hatte erst einmal am Morgen die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. Nächstes Jahr hängt die Botschaft bestimmt am Eingang vom Grundstück ;-)


Danach ging es auf Zehenspitzen weiter über den knarrzenden Boden in den 3 Stock.


In meinem Zimmer wartet schon meine Trockene Kleidung die ich vor dem Lauf zurecht gelegt hatte und mein Duschzeugs. Mit nasser Kleidung geht es in die Dusche und sauber und warm angezogen geht es leise wieder raus.


Schnell bin ich eingeschlafen so ca. 2 Uhr. Um 4 Uhr bin ich alleine wieder aufgewacht und mein Körper war der Meinung er hat ausgeschlafen... Ich selber wollte aber eigentlich noch schlafen. So war es ein hin und her zwischen drehen, schlafen über den Lauf nachdenken und sich freuen. Um 6:30 Uhr bin ich dann aufgestanden und habe Kurt mit zwei SMS Nachrichten geweckt. Das Haus ist so hellhörig, dass ich das vibrieren seines Handys im Nebenzimmer hören konnte.

Um 7:00 Uhr sassen wir dann als einzigste im Frühstücksraum und hofften, dass es zeitnah Frühstück gibt. 7:15 Uhr spitzt Frau Zeller zur Tür herein und fragt ob wir schon lange warten. Wir natürlich "Neeeiiinnn - kein Stress Frau  Zeller - bereiten Sie erst einmal alles in Ruhe vor".


Lecker war das Frühstück. Es gab Ei, Joghurt, Brötchen, Käse und Tee... Frisch gestärkt machten wir uns dann um 8:00 Uhr auf den Nachhauseweg. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir immer noch nicht vorstellen jemals wieder diesen Lauf zu machen. Auch wenn es  mir super gut ging - irgendwie sträubte sich der Kopf das noch mal zu machen.


ABER am Montag nach dem Lauf - stand schon wieder fest - NEXT YEAR again ;-) ist doch klar...

Termin ist vorgemerkt in Outlook und ich warte auf die Freischaltung der Anmeldung.


Trotz des schlechten Wetters gab es auch ein paar kurze seltene schöne Wettermomente. Gerne hätte ich viel mehr Fotos gemacht. Aber das war auf Grund des Regens nicht möglich. Mein iPhone hat auch so schon mächtige gelitten aber alles gut überstanden. Auch der Foto-Service auf der Strecke hat leider bis auf das Zielbild von mir nichts gemacht. Das lag daran, dass diese nicht informiert wurden, dass die Streckenführung sich geändert hat. Somit hatten die Fotografen vergeblich auf Läufer gewartet. Schade aber ist so.


Für nächstes Jahr wünsche ich mir schönes sonniges Wetter und die komplette Distanz ;-)

Meine gewählte Ausrüstung war perfekt und die Ernährung ist super aufgegangen. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich auf Grund der Ernährung im Vorfeld sowie der Unterstützung von fitrabbit´s Aronia und der regelmässigen Zufuhr von Salz und Gurke endlich die optimale Versorgung gefunden habe und Krämpfe so minimieren oder sogar vermeiden kann. Weitere Veranstaltungen werden es zeigen.


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