Mama goes… ja, wohin eigentlich?

 

Beatrice

Jetzt ist es schon wieder ziemlich lange her seit meinem letzten Update… sportlich hat sich bei mir so gut wie nix getan, aber es gibt doch das ein- oder andere zu berichten. Diagnosen, Einsichten, Erfahrungen. Sowohl eure Nachfragen als auch die Seitenaufrufe haben mir gezeigt, dass viele von euch mit mir mitfiebern auf dem langen Weg zur Langdistanz - also möchte ich euch natürlich auch nicht vorenthalten, was sich die letzten Wochen so getan hat.

 

Wie es scheint, habe ich die Auswirkungen des Mama-werdens und Mama-sein in vieler Hinsicht unterschätzt.

 

Zum einen natürlich die körperlichen Auswirkungen. Nachdem mich mein Knie nach dem kurzen Trail Mitte Januar wieder mal im Stich gelassen hatte, habe ich mich auf Empfehlung meines Lieblings-Trailläufers J. auf den Weg zu Nathalie, der Osteopathin seines Vertrauens nach Bagnères-de-Luchon gemacht. 

Zwei, drei Fragen und ein paar Handgriffe später wusste Nathalie was Sache ist - eine Blockade im Ilio-Sakral-Gelenk, verursacht vermutlich noch durch die Geburt. Daraus resultierend dann eine Fehlstellung der Hüfte und des Oberschenkels sowie eine Überlastung des rechten Knies. Ziemlich bildlich wird das Läuferknie im Französischen als "syndrome essuie-glace", also Scheibenwischersyndrome. Das beschreibt es eigentlich sehr gut, da die Sehne beim Beugen des Knies wie ein Scheibenwischer über die Gelenkswölbung reibt. Medizinisch lässt sich das sicher sehr viel detaillierter beschreiben, aber das ist die Kurzfassung, die Nathalie mir mit auf den Weg gegeben hat. Nach der Mobilisierung der Blockade und einigen Anpassungen im Alltag - Baby vorsichtig heben, Becken beim Laufen nach vorne kippen, Knie mit Pfefferminzöl behandeln - sollte es langsam wieder losgehen können. Nathalie war erstaunt, dass ich nach der Entbindung noch nicht bei einem Osteopathen gewesen war - in Frankreich scheint es Standard zu sein, dass Mama und Baby knapp 3 Monate nach der Entbindung auf eventuelle Geburtsschäden bzw. Nachwirkungen durchgecheckt werden. Wäre ich damals schon hier gewesen, hätte es mir sicher sehr viel Ärger und Schmerzen ersparen können. Aber gut, besser spät als nie.

Beim Bergwandern mit David am nächsten Tag lief es dann auch sehr gut, sowohl bergauf als auch bergab war vom Knie nichts zu spüren. Auch die lange Autofahrt zurück nach Toulouse verlief schmerzfrei. Einige Tage wollte ich jedoch noch warten, bevor ich wieder mit dem Laufen beginne…

 

Und dann kamen sie, die höllischen Rückenschmerzen. Ob es durch die Lösung der Blockade kam oder sich das ISG durch das Tragen von David wieder blockiert hatte kann ich nicht sagen, jedenfalls tat es im unteren Rücken einige Tage lang so weh, dass ich nur auf einem Heizkissen liegen konnte und mir teilweise richtig übel war vor Schmerzen. Da Nathalie leider gut zwei Stunden von uns entfernt ist, habe ich mich auf die Suche nach einem Osteopathen in Pibrac gemacht - und Adrien gefunden. Zum Glück hatte er sofort Zeit für mich und konnte nach einem langen Gespräch und vielen Verdrehungen und Verrenkungen Nathalies Diagnose bestätigen bzw. erweitern. Durch die lange Blockade und Fehlstellung war bwz. ist meine komplette rechte Seite verspannt und die Rumpfmuskulatur noch nicht wieder ausreichend trainiert, um die Hüfte zu stabilisieren. Zu Nathalies Alltagstipps gesellen sich also noch ein paar Dehn- und Stabiübungen sowie ein Folgetermin Anfang März. 

Es scheint also, dass ich die körperlichen Auswirkungen des Mama-werdens um einiges unterschätzt habe. Und auch das Mama-sein bietet so einige Hindernisse für den sportlichen Wiedereinstieg und Erfolg. Es ist nicht ohne Grund so, das die Schnittmenge zwischen Milchkühen und erfolgreichen Ausdauerathleten verschwindend gering ist. Die erfolgreiche Milchproduktion zur Sättigung eines nimmersatten Raupenbabies beansprucht bis zu 800 kcal am Tag. Das entspricht in etwa anderthalb Stunden Dauerlauf. Wenn man beides kombiniert kommt man (Mama) auf einen ordentlichen Mehrbedarf an Energie, der nur mit hochwertiger Nahrung gedeckt werden kann. Auch das habe ich am Anfang ziemlich unterschätzt und bin nun dabei, meine Ernährung mit hochwertigen Ölen, Saaten, Nüssen und viel pflanzlichem Protein (Hanf, Lupine…) auf unseren gemeinsamen Verbrauch anzupassen. Macht sogar richtig Spaß!

 

Neben dem erhöhten Energiebedarf ist natürlich noch das nächtliche Stillen zu bedenken. Nicht ohne Grund wird Schlafentzug in totalitären Regimen auch als Foltermethode eingesetzt. Nach einigen Monaten Schlafen in Raten wird der Traum von der Langdistanz so langsam vom Traum des Langschläfers abgelöst.

Wenn es sich ergibt, ist eine gemeinsame Siesta einfach Gold wert!

Aber - es gibt noch etwas, was ich so richtig Unterschätzt habe am Mama-Dasein. Und das ist der Spaß- und Entspannungsfaktor, den mein kleiner Junge mit sich bringt! Sei es die Begeisterung, mit der er jeden Grashalm und jede Ameise betrachtet, seine gute Laune, mit der er jeden Ansteckt oder einfach nur die gemütlichen Kuschelstunden am Morgen… ohne ihn wäre eine fast viermonatige Laufpause und Verlust aller Startplätze vermutlich zur Katastrophe ausgeartet aber so ist es halt ein zu vernachlässigender Nebenschauplatz. Unsere erste gemeinsame "echte" Reise und die wunderschönen Tage mit lieben Menschen fernab von Stadt, Stress, Internet haben das ihre zu meiner neugewonnenen "Zen"-Haltung beigetragen. Nach den ziemlich unangenehmen Erfahrungen des letzten Jahres tut es einfach gut, Zeit mit Menschen zu verbringen, von denen man etwas lernen kann und die einen in ihrer ehrlichen und authentischen Art inspirieren und motivieren. 

 

Ich bin zuversichtlich, dass es mit den Tipps von Nathalie und Adrien bald wieder aufwärts geht (heute bin ich schon über 8km ohne Schmerzen gelaufen). Sollte es mit den geplanten Rennen dieses Jahr noch klappen ist das klasse, wenn nicht - dann halt nächstes Jahr.  Ironman Nizza habe ich erstmal auf Vichy Ende August umgebucht, sollte mein Knie dann immer noch nicht voll einsatzfähig sein gönne ich mir die morgendliche Schwimmrunde mit meinen Vereinskollegen und nutze das restliche Wochenende zum Anfeuern und Sight Seeing mit Baby und Support Crew. 

 

Morgen werde ich erstmals mit meinem neuen Club beim Duathlon in Flourens am Start sein - als Streckenposten bei vermutlich 4C und Regen. Im April dann beim Madeira Island Ultra Trail - also Support Crew für unseren Lieblingsläufer aus den Bergen. Wenn das mal nicht ordentlich sportliche Kama-Punkte für einen baldigen Wiedereinstieg gibt ! ;-)


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Mama goes IRONMAN - verkatert ins neue Jahr!

 

Beatrice

Der erste Sonnenaufgang des Jahres!
Der erste Sonnenaufgang des Jahres!

Es ist der 02.Januar und ich kann kaum gehen, so verkatert bin ich. Alles tut weh. Schuld daran ist wohl der Champagner...

 

Denn neben einem 9kg Baby, Klamotten für zwei Tage, Schlafsack und Feiertagsfuttereien noch eine Flasche Champagner auf den Berg zu schleppen - das haut dann doch die stärkste Mama um. Und so starte ich, ohne überhaupt mit dem Training begonnen zu haben, mit dem Muskelkater des Jahrhunderts in das neue Jahr!

 

Abgesehen von den Neben- bzw. Nachwirkungen war unser Silvester und Neujahr jedoch einmalig und wunderschön. Nach einem anstrengenden Aufstieg bei Nebel und Regen haben wir das alte Jahr in einer gemütlichen Schäfershütte auf ca. 1700m, bei Kerzenlicht und Holzfeier verabschiedet. Um Mitternacht haben wir per spanischem Internetradio die 12 "Campanadas" gehört und bei jedem Schlag eine Traube (die Spanier) oder ein Stück Kuchen (die Franzosen und ich) gegessen. Trauben gehen offensichtlich leichter runter, so dass wir anderen ziemlich atemlos und mit Hamsterbacken voller Kuchen auf das neue Jahr angestoßen haben. Ziemlich voll gefressen und müde sind wir dann nicht viel später in unsere Schlafsäcke gefallen. David hat es unglaublich gut gefallen und selbst als es sich Stephs 40kg Hund im Dunkeln zwischen unseren Schlafsäcken bequem machte hat er nur gelacht und ist prompt wieder eingeschlafen. 

Am nächsten Morgen haben uns die Hunde (zum Glück) schon recht früh geweckt, so dass wir pünktlich zum ersten Sonnenaufgang vor der Hütte saßen. Das Wetter hatte sich seit dem Abend geklärt und langsam wurde es über Spanien rot, dann pink, orange, gelb... David saß mucksmäuschenstill auf seiner kleinen Isomatte und schien ganz gebannt von diesem Schauspiel. Ihm schien unser kurzer Ausflug in die Berge fast noch besser zu gefallen als mir, denn während der ganzen Zeit hat er nicht einmal geweint oder genörgelt sondern war ausgeglichen und fröhlich! Abgesehen vom unglaublichen Trainingseffekt des Babybergwanderns müssen wir also ganz bald wieder in die Pyrenäen zurück.

Davids neue Freundin... gegenseitiges Beschnuppern!
Davids neue Freundin... gegenseitiges Beschnuppern!

Das Mama goes IRONMAN Training die letzten Wochen lief gut, wobei ich meinen 16 Wochen Trainingsplan bisher nur oberflächlich betrachtet bzw. ignoriert habe. Ob ich bei diesem Plan (von einem Vereinskameraden, ziemlich schwimmlastig) bleibe oder den meines Schwimmtrainers nehme (mehrmaliger Nizza-Finisher) habe ich auch noch nicht endgültig entschieden. 

 

Am letzten Mittwoch im Dezember war es nämlich so weit, ich hatte meine erste Schwimmstunde bei L., der mir von meinem neuen Vereinskameraden als Schwimm- und Triathloncoach empfohlen wurde. Meine erste Befürchtung war, dass er sich kaputt lachen würde sobald ich im Wasser war (er wusste ja über die Nizza-Anmeldung Bescheid), meine zweite, das ich nix verstehen würde. Denn wie sagt man auf Französisch Reissverschlussschwimmen? Beinschlag? Pull Buoy? Leicht besorgt machte ich mich also auf den Weg ins Schwimmbad in Muret...

Als ich ins Schwimmbad kam wurde ich schon erwartet und siehe da, L. hatte zufällig den gleichen Rucksack vom Marathon des Alpes-Maritimes wie ich und das Eis ist gebrochen. Vom Marathon kommen wir auf den IRONMAN Nizza und auf andere bekannte französische und deutsche Wettkämpfe... bis es dann endlich ins Wasser ging hatte ich schon vergessen, dass ich weder französisch noch schwimmen richtig kann und los ging's. Erstmal paar Bahnen Brustschwimmen (brasse), dann Kraulen (crawl, ah!) und Rücken (dos crawlé). Als ich fertig war stand L. tatsächlich noch am Becken und lag nicht vor Lachen auf dem Boden. Im Gegenteil, er hatte den Daumen oben! Nach ein paar Tipps (die ich gut verstand, da er die Bewegungen auch vormachte) ging es in die nächste Runde. Außer einem kleineren Crash, da meine olle Brille total beschlagen war, lief es wirklich gut und nächste Woche wird es dann mit dem Trainingsplan losgehen. Für Nizza hat L. mir absolut utopische Zeiten ausgerechnet, so dass ich vielleicht ohne großen Trainingserfolg aber doch sehr beruhigt und beschwingt aus dem ersten Training nach Hause gegangen bin. 

 

David, der mit meiner Mama von der Tribune zugeschaut und sich sehr für das bunte Treiben im Schwimmbad begeistert hat, wird mich nächste Woche sogar begleiten. Auch darauf freu ich mich!

 

Von meiner ehemaligen Lieblingsdisziplin gibts leider nicht viel Neues... mein Knie macht mir immer noch zu schaffen und ich kann eigentlich nur schmerzfrei laufen, wenn ich konzentriert auf dem Vorderfuss laufe und die Strasse nicht zu abschüssig ist. Dienstag werde ich zum Arzt gehen, der mir unabhängig von zwei Vereinskollegen und L. empfohlen wurde. Danach werden wir mehr wissen...

 

Bis bald, eure hoffentlich irgendwann IRONMAMA!

Letzte Radeinheit des alten Jahres...
Letzte Radeinheit des alten Jahres...

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Mama goes IRONMAN

 

Beatrice

Nach 3 erfolgreich absolvierten Mitteldistanzen im Sommer 2014 hatte ich beschlossen, mich für das kommende Jahr an meine erste Langdistanz zu wagen - den IRONMAN Austria in Klagenfurt. Da mein bisheriger Trainingseinsatz für die bisherigen Wettkämpfe mehr als dürftig war (kein Trainingsplan, maximal 2-3x Schwimmen vor jedem Wettkampf…) machte ich mir keine Sorgen, mit etwas mehr Disziplin auch die Königsdisziplin bzw. -distanz des Triathlon finishen zu können. 

 

Dann kam aber alles anders als erwartet und David meldete sich genau für das geplante Langdistanzwochenende an - also wurden alle Wettkämpfe storniert und ich freute mich auf die Langdistanz anderer Art. Mit nur 6,5 Stunden haben David und ich diesen Wettkampf wohl mit Bravour gemeistert. Neben all den schönen Momenten mit David ist der Traum von IRONMAN dann irgendwie in den Hintergrund gerückt und stand das gemeinsame Wandern, Radfahren, Kuscheln und Lachen im Vordergrund. Laufen und Radfahren ging zwar schnell wieder recht gut, aber der Ansporn oder die Motivation regelmäßig und diszipliniert mehr zu machen fehlte… Anfang Dezember fand ich mich dann etwas ungeplant und überraschend als alleinerziehende Mama wieder. Mein Plan für 2016 - gemeinsame Elternzeit und Unternehmungen - war somit null und nichtig. Was nun? Kopf in den Sand stecken und grübeln, wo was schiefgelaufen war? Trübsal blasen? Ganz bestimmt nicht. Also musste ein neuer Plan her! Ein Ziel, das David und ich gemeinsam als Team erreichen würden. 

 

Bei einem gemütlichen Frühstück bei meiner Lieblings-Eisenfrau Astrid (2-malige IRONMAN Finisherin) reifte dann der Plan - David und ich würden die Elternzeit nutzen, um ganz viel gemeinsam zu laufen (Babyjogger), zu radeln (Anhänger) und ab und an zu schwimmen und im Juni, kurz vor Davids 1.Geburtstag, steht dann die erste Triathlon-Langdistanz in Nizza an.

Über Weihnachten und Neujahr sowie Ende Februar sind wir jetzt erstmal bei meinen Eltern und mein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk ist das beste Trainingswetter das man sich denken kann - blauer Himmel und trockene 16-17C. Noch bin ich nicht ins ernsthafte "Training" eingestiegen, aber habe mir eine schön hügelige, beliebig erweiterbare Hausstrecke fürs Radfahren und einen Triathlon Club mit guten Trainingszeiten und ziemlich verrückten aber netten Mitgliedern gesucht. Laufen geht derzeit nicht so gut, da mir mein Knie seit dem Marathon des Causses noch Probleme macht… aber das wird wieder. Neben den Trainingszeiten des Clubs gibt es in Toulouse und Umgebung auch regelmäßige Lauftreffs, unter anderem organisiert vom Laufshop i-run. Ich bin gespannt! 

 

Heute war ich das erste Mal beim Schwimmtraining im Piscine Alfred Nakache (tolles Frei- und Hallenbad im Art Deco Stil aus den 1930er Jahren) und Samstag schaue ich mir das nächstgelegene Schwimmbad (Espace Nautique in Colomiers) an. Nach den Feiertagen lege ich dann ernsthaft los - und werde berichten!

Wenn ihr Tipps, Ideen, Hinweise habt - jederzeit gerne!

Schöne Feiertage und einen guten Rutsch wünschen euch Beatrice & David!


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